Einführung & Grundlagen #
Viele Handwerksbetriebe müssen zur Erbringung ihres Tagesgeschäftes mehr oder weniger weite Wege zurücklegen. Die Fahrt der Beschäftigten zum jeweiligen Einsatzort, der Transport von Material und nicht zuletzt der Besuch von Kunden und Lieferanten sind selbstverständliche Bestandteile des Geschäftsbetriebs und zählen damit zur „betrieblichen Mobilität“. Handwerksbetriebe besitzen hierfür einen Fuhrpark, welcher aus einem oder mehreren Fahrzeugen besteht. Diese können sich je nach Einsatzgebiet in der Bauart und Größe stark voneinander unterscheiden. Hierzu zählen kleine und größere PKW sowie leichte, mittelschwere und schwere Nutzfahrzeuge, teilweise mit Sonderaufbauten wie Kranauslegern oder Kühlzellen. Aber auch Betriebsfahrräder, Gabelstapler, Verkaufsfahrzeuge, Transportanhänger und Baumaschinen kommen in vielen Betrieben zum Einsatz. Zu einem Großteil sind diese Transportmittel mit dem Einsatz von fossilen Brennstoffen und dem Ausstoß von Schadstoffen verbunden.
In Deutschland sowie in anderen Ländern werden viele Anstrengungen unternommen, um den Schadstoffausstoß massiv zu verringern. Neben der Energieerzeugung sind u. a. die Bereiche Industrie und Handwerk sowie die allgemeine Mobilität betroffen. Zur Erreichung der ambitionierten Umweltziele setzt die Politik Instrumente wie die Förderung neuer klimafreundlicher Technologien, die Einführung von Umweltprämien und -sanktionen, steuerliche Anreizsysteme sowie diverse Zertifikate für den Nachweis betrieblicher Umweltmaßnahmen ein.
Ein wesentlicher Anreiz für Betriebe, Maßnahmen zum Umweltschutz umzusetzen, ist im Allgemeinen der wirtschaftliche Aspekt. In Bezug auf Mobilität stellen bereits die Treibstoffkosten einen relevanten Kostenfaktor dar. Eine repräsentative Umfrage [1] des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks ergab, dass der durchschnittliche Handwerksbetrieb im Jahre 2011 Energiekosten von ca. 18.000 € zu tragen hatte. Rund die Hälfte dieser Kosten sind für Kraftstoffe angefallen (ca. 9300 €), sei es für den Lieferverkehr oder die Fahrten zum Erbringen von Dienstleistungen beim Kunden. Neben den Treibstoffkosten, ist die betriebliche Mobilität mit weiteren Kosten verbunden:
Direkte Kosten
- Kraftstoffkosten
- Anschaffung bzw. Abschreibung von Fahrzeugen
- Steuern
- Versicherungsbeiträge
- Wartungs- und Reparaturkosten
Indirekte Kosten
- Personalkosten während der Fahrt
- Kosten für Gebäude bzw. Flächen zum Unterstellen der Fahrzeuge
- mobilitätsbedingte Verwaltungsaufwände
- regelmäßige Fortbildungen von gewerblich eingesetzten Kraftfahrern
Personalkosten, die während der Fahrt sowie dem Be- und Entladen anfallen, gehören – besonders in Handwerksbetrieben – nicht zur eigentlichen Aufgabe der Mitarbeiter und sollten daher so gering wie möglich sein. Sowohl die Vermeidung unnötiger Fahrten und Transporte als auch eine Verkürzung der zurückgelegten Strecken sollten in jedem Betrieb angestrebt werden.
Die Nutzung von sparsamen Fahrzeugen, z.B. mit alternativen Antrieben wie Elektroantrieben, ist ein populäres und oft genanntes Thema, wenn es um Ökologie und Mobilität geht. Die Antriebstechnik ist jedoch nur ein Aspekt. Entscheidend für den Schadstoffausstoß eines Betriebes ist vor allem der Mobilitätsbedarf. Dieser wird von vielen Faktoren beeinflusst:
- Was muss transportiert werden? (Personal, Material, Werkzeuge)
- Wie weit muss etwas transportiert werden?
- In welchen Mengen bzw. wie oft muss etwas transportiert werden?
- Wie viele Fahrten sind für die Ausführung eines Auftrages notwendig?
- Welche Fahrzeugart wird eingesetzt und wie sind die Fahrzeuge dimensioniert?
- Wie ist die durchschnittliche Auslastung der Fahrzeuge?
- Wie werden die einzelnen Strecken geplant?
- Wie geschickt bzw. umweltbewusst sind die Fahrer der Fahrzeuge?
- Wie ist der technische Zustand der Fahrzeuge?
- Wie viel Flexibilität ist gefordert?
Im Leitfaden werden zunächst die typischen Bedarfe von Handwerksbetrieben mit Hilfe dieser Fragen analysiert. Eine Optimierung aller Aspekte ist dabei das Ziel. In den folgenden Kapiteln werden kurzfristige sowie weitreichendere Möglichkeiten zur Verringerung der Mobilitätsbedarfe, des Schadstoffausstoßes sowie der Kosten für betriebliche Mobilität aufgezeigt.
[1] = ZDH-Energieumfrage 2012 – eigene Berechnungen
Übersicht
- Der betriebliche Fuhrpark
- Der betriebliche Fuhrpark
- Antriebsarten von Kraftfahrzeugen
- Lastenfahrräder
Der betriebliche Fuhrpark #
Beim Aufbau, der Erneuerung und der Verwaltung des betriebseigenen Fuhrparks sind vor allem die Themen „Energie- und Kostenreduktion“, „Steuern und Versicherungen“ sowie „Umwelt/ Emissionen“ relevant. Egal ob eine ganze Fahrzeugflotte oder nur zwei Transporter betrieben werden – es sind oft vielfältige Einsparpotenziale vorhanden, die genutzt werden können. Um diese zu erschließen, empfehlen sich die folgenden vier Maßnahmen:
- Analyse der bestehenden Transportaufgaben
- Analyse des vorhandenen Fuhrparks
- Aufspüren von Einsparpotenzialen und Bedarfen
- Ableitung, Priorisierung und Umsetzung von Maßnahmen
Die Optimierung eines bestehenden Fuhrparks erfordert zunächst eine Analyse des gegenwärtigen Zustands. Dazu werden alle mobilitätsbezogenen Daten wie Kraftstoffverbräuche und Nebenkosten (Versicherung, Steuer, Wartung) erfasst. Aber auch Informationen zur Auslastung der Fahrzeuge (zeitlich/bzgl. Ladung) sind hilfreich. Oftmals ergeben sich dabei bereits relevante Erkenntnisse und Ansätze zur Verringerung des Kraftstoffeinsatzes und des Schadstoffausstoßes. Diese können zum einen die Energieeffizienz und die Dimensionierung einzelner Fahrzeuge betreffen und zum anderen Hinweise auf mögliche Optimierungspotentiale in der Organisation liefern. Während die Organisation die Häufigkeit und die Entfernung von Transportaufgaben beeinflusst, wirkt sich die Effizienz der eingesetzten Fahrzeuge direkt auf den Kraftstoffbedarf für die Ausführung der Transportaufgaben aus.
Am einfachsten lässt sich eine effiziente Fahrzeugflotte mit neuen, energieeffizienten Fahrzeugen realisieren. Diese ist jedoch mit hohen Kosten verbunden. Bei der Neuanschaffung sollte auf eine bedarfsgerechte Fahrzeugdimensionierung, die Wahl einer effizienten Motorentechnik sowie eine sinnvolle Auswahl von Zusatzausstattung geachtet werden. Bereits 100 kg Mehrgewicht verursachen ca. 0,4 Liter Mehrverbrauch pro 100 km (vgl. FleetExpert), und dies betrifft auch die Zusatzausstattung. Nicht selten reicht ein kleineres Fahrzeug an Stelle eines großen Fahrzeugs aus. Werden nur gelegentlich zusätzliches Ladevolumen bzw. eine höhere Nutzlast benötigt, können der Einsatz eines kostengünstigen Anhängers oder eines bedarfsgerecht angemieteten Transporters wirtschaftlich und ökologisch sinnvolle Varianten sein.
Selbst die Farbe eines Automobils beeinflusst den Kraftstoffverbrauch: schwarze Fahrzeuge erhitzen sich im Sommer deutlich stärker als helle Fahrzeuge. Dies führt zu einem intensiven Gebrauch der Klimaanlage und zu zusätzlichem Kraftstoffverbrauch. Hier kann ggf. mit Werbefolien in hellerer Farbgestaltung gegengesteuert werden.
Im Folgenden wird bzgl. der Beschaffung neuer Fahrzeuge auf die Wahl von Antriebsarten sowie, weiter unten, auf die Möglichkeiten von Lastenfahrrädern als Alternative zu Kraftfahrzeugen eingegangen.
Antriebsarten von Kraftfahrzeugen #
Die Antriebsart von Kraftfahrzeugen hat einen erheblichen Einfluss auf die Kraftstoffkosten sowie die Menge der erzeugten Emissionen pro gefahrenem Kilometer. Generell kann festgehalten werden, dass der mittlere Wirkungsgrad von elektrischen Fahrzeugantrieben mit bis zu 90 % deutlich höher ist als der von z. B. Benzinmotoren mit etwa 20 Prozent. Dies ist zum einen auf den hohen Wirkungsgrad des Elektromotors, zum anderen auf die Möglichkeit zur Rückgewinnung von Bremsenergie zurückzuführen. Bei der Betrachtung der Ökobilanz von Elektrofahrzeugen sollte jedoch berücksichtigt werden, dass die Erzeugung des Stroms für die Fahrzeuge ebenfalls mit Energieverlusten verbunden ist, was bei der Darstellung der Fahrzeugeffizienz häufig nicht einbezogen wird. Dies gilt aber auch für die Herstellung von Kraftstoffen. In Deutschland erfolgt die Stromgewinnung zu etwas mehr als der Hälfte aus fossilen Brennstoffen. (vgl. Strom-Mix in Deutschland). Mit der zunehmend umweltfreundlicheren Stromerzeugung verbessert sich auch die Gesamtbilanz der Elektrofahrzeuge.
Neben der Energieeffizienz ist die Menge der vom Fahrzeug ausgestoßenen Schadstoffe, wie z. B. Stickoxide, relevant. Elektrofahrzeuge ohne Verbrennungsmotor verursachen keine direkten Schadstoffe und sind daher für den Einsatz im städtischen Bereich besonders geeignet.
Im Folgenden werden charakteristische Merkmale unterschiedlicher Antriebstechnologien und typische Haupteinsatzgebiete erläutert.
Benzin
Beninmotoren weisen im Vergleich zu Dieselmotoren ein im Allgemeinen niedrigeres Drehmoment und eine höhere Nenndrehzahl auf. Daher werden sie vorwiegend für PKW eingesetzt. Mit zunehmenden Fahrzeuggewicht steigt der Drehmomentbedarf, weshalb Benzinmotoren in schweren Fahrzeugen oder Baumaschinen praktisch nicht verwendet werden. In den vergangenen Jahren hat die Effizienz moderner Benzinmotoren zugenommen. Mittels Turboaufladung und Direkteinspritzung wurde zudem das Drehmoment gesteigert. In der Praxis ist zu beobachten, dass der Verbrauch von Fahrzeugen mit Benzinmotoren bei voller Beladung oder beim Ziehen von Anhängern stärker zunimmt als bei Fahrzeugen mit Dieselmotoren. Dies sollte bei Kaufentscheidungen berücksichtigt werden.
Für die Herstellung von Benzin, dessen Brennwert ca. 11 kWh/Liter beträgt, werden mehr Prozessschritte benötigt als für die Herstellung von Diesel. Laut einer Studie von Shell fallen 15 bis 20 Prozent der CO2-Emissionen, die ein benzinbetriebenes Fahrzeug im Laufe der gesamten Nutzung ausstößt, bereits bei der Herstellung des vom Fahrzeug verbrauchten Benzins an. Die im Benzin enthaltenen leichteren Kohlenwasserstoffe tragen allerdings zu einer vergleichsweise sauberen und schadstoffarmen Verbrennung bei.
Um die Energie- und Ökobilanz von benzinbetriebenen Fahrzeugen zu verbessern, kann die an Tankstellen angebotene Benzinsorte „E10“ getankt werden, welche rund 90 Prozent Benzin und 10 Prozent Bioethanol enthält. Somit wird weniger fossiler Brennstoff eingesetzt. Es sollte aber in jedem Fall die Freigabe des Fahrzeugherstellers für den Einsatz von Bioethanol im jeweiligen Fahrzeug beachtet werden. Des Weiteren ist umstritten, inwieweit die Herstellung von Bioethanol tatsächlich zum Klimaschutz beiträgt. Der heute eingesetzte Bio-Kraftstoff wird überwiegend aus Soja, Mais und Zuckerrohr hergestellt. Um diese Pflanzen anzubauen wurden und werden in Süd- und Mittelamerika große Flächen der Urwälder gerodet, die für den Klimaschutz ebenfalls essentiell sind.
Diesel
Dieselmotoren sind heute mehrheitlich mit Turboaufladung und Direkteinspritzung ausgestattet. Sie bieten ein vergleichsweise hohes Drehmoment schon bei niedrigen Drehzahlen. Im Vergleich zu Benzinmotoren ist der Kraftstoffverbrauch pro gefahrenem km häufig geringer (bei Vergleich von identischen Fahrzeugen unter identischen Randbedingungen). Dies liegt zum einen am effizienteren Verbrennungsprozess des Dieselmotors, zum anderen an dem höheren Brennwert des Diesels (ca. 12 kWh/Liter) im Vergleich zum Benzin. Trotz des Einsatzes von Harnstoff für die Verbrennung sowie von Filtern für die Abgasreinigung verursachen Fahrzeuge mit Dieselantrieb vergleichsweise hohe Schadstoffmengen, insbesondere Stickoxide. Im städtischen Raum gibt es teilweise verschärfte Anforderungen an die Schadstoffemission bzw. Fahrverbote für technisch veraltete Fahrzeuge (vgl. Regelung der Umweltplaketten).
Eine energieeffiziente und umweltschonende Variante für den Betrieb von Dieselfahrzeugen kann der Einsatz von Bio-Diesel sein. Die Vorteile sprechen für sich: Da Bio-Diesel aus Pflanzenöl gewonnen wird, ist er ein regenerativer Rohstoff. Zudem entsteht bei der Verbrennung ungefähr so viel CO2, wie die Pflanzen während ihres Wachstums in Sauerstoff umgewandelt haben. Bio-Diesel kann aus technischen Gründen jedoch nicht in allen Fahrzeugen genutzt werden. Zudem kann Bio-Diesel in Deutschland nur in begrenzter Menge hergestellt werden.
Möglichkeiten für eine Verbesserung der Energieeffizienz beim Einsatz von Dieselmotoren bietet seit kurzem ein sogenanntes „Waste-Heat-Recovery-System“ (WHR-System), welches zur Wärmerückgewinnung aus Abgasen dient. Das System eignet sich derzeit allerdings eher für schwere Nutzfahrzeuge.
Erdgas
Erdgas oder CNG (Compressed Natural Gas) ist ein umweltfreundlicher fossiler Treibstoff, da weniger CO₂- und Schadstoffe ausgestoßen werden. Die Werte liegen deutlich unter denen von Benzin oder Diesel Fahrzeugen. Gab es in den vergangenen Jahren noch Versuche vereinzelter Hersteller diese Antriebstechnologie voranzutreiben, werden mittlerweile keine Neuwagen mehr am Markt angeboten und auch die Zahl der Tankstellen mit CNG-Zapfsäulen ist rückläufig.
Die Basis für den Betrieb von Fahrzeugen mit Erdgas sind technisch angepasste Ottomotoren. Eine Umrüstung kann prinzipiell auch nachträglich erfolgen, aufgrund der hohen Kosten findet dies aber kaum statt. Je nach Motor ist die Nennleistung im Gasbetrieb geringer als bei der Verbrennung von Benzin oder Diesel. Bei schweren Fahrzeugen oder beim häufigen Einsatz von schweren Anhängern kann dies problematisch sein.
Zudem wird zwischen zwei grundsätzlichen Arten von Erdgas unterschieden: High Caloric Gas (H-Gas) mit einem Methangehalt von 87 bis 98,9 Volumenprozent sowie Low Caloric Gas (L-Gas) mit einem Methangehalt von 80,1 bis 87 Volumenprozent. Die daraus resultierende Differenz des Brennwertes beeinflusst die Wirtschaftlichkeit allerdings kaum, da sich die Differenz auch im Preis wiederspiegelt. Bei gegebenem Tankinhalt des Fahrzeugs wirkt sich der Brennwert jedoch auf die Reichweite des Fahrzeugs aus, da der Verbrauch pro km bei L-Gas höher als bei H-Gas ist.
Bei der Verbrennung von Erdgas entstehen hauptsächlich Wasserdampf und Kohlendioxid, Schadstoffe hingegen entstehen kaum. Im Vergleich zu den Antriebsarten Benzin oder Diesel gelten Erdgas-Fahrzeuge daher als besonders umweltfreundlich. Eine zusätzliche Steigerung der Umweltfreundlichkeit wurde durch die Zugabe von Bio-Gas erreicht. Bio-Gas wird annähernd CO2-neutral aus tierischer oder pflanzlicher Produktion gewonnen. Die Herstellerangaben bzgl. des Betriebs mit Bio-Gas sollten in jedem Fall beachtet werden.
Neben des Umweltaspektes kommen für den Erdgasfahrzeugfahrer finanzielle Vorteile hinzu: bis 31.12.2026 gilt für Erdgas und Flüssiggas ein vergünstigter Energiesteuersatz (vgl. Energiesteuergesetz). Je nach Region werden zudem Anschaffungsprämien für Erdgasfahrzeuge gewährt, welche einen zusätzlichen Kaufanreiz darstellen.
Dem Vorteil der geringeren Betriebskosten stehen höhere Anschaffungskosten für die zusätzliche Technik (Einspritzsystem/ Gasspeicheranlage) gegenüber. Hinzu kommen Einschränkungen hinsichtlich der verfügbaren Fahrzeuge mit CNG-Antrieb. Laut ADAC werden am Markt derzeit etwa 20 Modelle angeboten, die zudem wenig Varianz in der Ausstattung bieten. Bestehen spezielle Anforderungen an die Fahrzeuge, kann dies problematisch sein. Nach Angaben des ADAC gibt es derzeit deutschlandweit 760 CNG-Tankstellen, was eine allgemein ausreichende Abdeckung darstellt. Fahrten ins Ausland sollten hingegen sollten gut vorbereitet werden, da nicht alle Länder über ein flächendeckendes Tankstellennetz für Erdgas verfügen. Einen CNG-Tankstellenatlas für Europa bietet zum Beispiel die Internetseite www.gas24.de. Da viele Erdgas- bzw. Flüssiggas-Fahrzeuge bivalent, also sowohl mit Gas als auch mit Benzin, betrieben werden können, kann im Bedarfsfall auf Benzinbetrieb umgeschaltet und so ein möglicher Versorgungsengpass des Erdgases überbrückt werden.
Flüssiggasmotoren
LPG („Liquified Petroleum Gas“) auch Autogas oder Flüssiggas genannt, stellt ein Nebenprodukt der Mineralölgewinnung dar und besteht hauptsächlich aus Propan und Butan. Mit Autogas wird im Vergleich zu Benzin immer der CO₂-Ausstoss reduziert – bis rund 10 Prozent. Im Vergleich zu Diesel und Erdgas (CNG) ist der CO₂-Ausstoß jedoch höher – ca. 2 Prozent im Vergleich zu Diesel und etwa 12 Prozent zu Erdgas.
Deutschlandweit steht ein mit rund 6.000 Tankstellen gut ausgebautes Versorgungsnetz zur Verfügung. Einen Steuervorteil für LPG gibt es seit 2023 zwar nicht mehr, trotzdem ist das Gas aber noch günstiger als etwa Benzin oder Diesel. Wirtschaftliche Vorteile ergeben sich vor allem bei viel gefahrenen Fahrzeugen, da auch der Verbrauch mit der Nutzung von Autogas um ca. 10 bis 30 Prozent steigt.
Laut ADAC bieten nur noch wenige Hersteller Fahrzeuge für den serienmäßigen LPG-Betrieb an. Die Umrüstung von benzinbetrieben Fahrzeugen auf LPG-Betrieb ist aber mit relativ wenig Aufwand möglich und wird von vielen regionalen Fachbetrieben angeboten. Die Kosten liegen bei ca. 1800 bis 3500 Euro.
Einfahrtsverbote gibt es für Gasfahrzeuge mit der sogenannten Garagenverordnung der Bundesländer zwar längst nicht mehr, das Hausrecht stellt aber jedem Garagenbesitzer frei, welchen Fahrzeugen Einfahrt gewährt wird und welchen nicht.
Weitere Informationen erhalten Sie hier.
Elektroantriebe und Hybridantriebe
Bei den Elektro-Fahrzeugen wird zwischen ausschließlich elektrisch angetriebenen Fahrzeugen (Elektrofahrzeuge, z.B. Nissan eNV 200), den Hybrid-Modellen (bspw. Toyota Prius) und den Plug-in-Hybrid-Modellen (z.B. VW Golf GTE) unterschieden. Vergleichsportale bieten eine gute Marktübersicht. Diese helfen bei der Auswahl des richtigen Fahrzeugs.
Elektrofahrzeuge bieten viele Vorteile: Sie sind leise, emissionsarm und bieten einen höheren Wirkungsgrad (etwa 90%) als z. B. Fahrzeuge mit Benzinmotor (ca. 20%). Hohe Anschaffungskosten, eine derzeit geringere Reichweite als diesel- oder benzinbetriebene Fahrzeuge sowie eine fehlende Infrastruktur mit Ladesäulen stehen den Vorteilen entgegen. Auch die einheitliche Normierung der Ladesäulen ist noch nicht umfassend vollzogen. Das Problem der Infrastruktur und der begrenzten Reichweite der Fahrzeuge betrifft vor allem den Einsatz im ländlichen Raum. Für eine ideale Umweltbilanz sollte zum Laden der Fahrzeugbatterien möglichst Strom aus regenerativen Energiequellen (z.B. Wind-, Wasser- oder Sonnenenergie) genutzt werden. Besonders günstig ist es, wenn das Unternehmen selbst elektrische Energie produziert, z. B. mittels Photovoltaik oder Blockheizkraftwerk. Bzgl. der Nutzung von Photovoltaik-Energie sollte beachtet werden, dass diese tagsüber erzeugt wird, wenn das Fahrzeug u. U. unterwegs ist und nicht geladen werden kann. Hier kann die Nutzung eines Batteriespeichers sinnvoll sein.
In Bezug auf die Reichweite sollte der Unternehmer prüfen, wo das Fahrzeug künftig eingesetzt wird. Bei der Belieferung von Filialen im städtischen Bereich stellt die begrenzte Reichweite ggf. kein Problem dar. Wird das Fahrzeug hingegen für längere Strecken eingesetzt können die Nachteile überwiegen. Steigerungen der Leistungsfähigkeit und der Reichweite der Elektrofahrzeuge sowie die Verringerung der Kosten sind in den kommenden Jahren zu erwarten, da viele Hersteller Millardeninvestitionen bekundet haben. Einen ersten Anhaltspunkt bieten Vergleichsrechner zur Gegenüberstellung von Verbrennungs- und Elektrofahrzeugen.
Bei den Hybrid-Fahrzeugen erfolgt der Antrieb durch einen Elektromotor in Kombination mit einem Benzin- oder Dieselmotor. Der Elektromotor wird im Allgemeinen zur Unterstützung des Verbrennungsmotors und zur Rückgewinnung von Bremsenergie eingesetzt. Dies lohnt sich vor allem im Stadtverkehr, wo häufiges Anfahren und Abbremsen erforderlich ist. Plug-in-Hybride stellen eine weitere Ausbaustufe der Hybrid-Fahrzeuge dar. Der Unterschied zum „Normal-Hybrid“ besteht darin, dass die verbaute Fahrzeugbatterie sowohl mittels des Verbrennungsmotors als auch über eine externe Stromquelle geladen werden kann, während dies beim Hybrid nur über den Verbrennungsmotor erfolgen kann.
Welche Förderprogramme derzeit zur Förderung des Kaufs von Elektrofahrzeugen und der dazugehörigen Ladeinfrastruktur (Ladesäule/Wallbox) bestehen, finden Sie unter Hilfsmittel & Tools
Wasserstoff
Der Antrieb elektrischer Fahrzeuge mittels Wasserstoff steckt noch in den Kinderschuhen, gilt jedoch als zukunftsweisend. Die Funktionsweise ist simpel: in einer Brennzelle (Fuel Cell) entsteht durch die Reaktion von Wasser- und Sauerstoff elektrische Energie, welche das Fahrzeug antreibt. Als Abfallprodukt entsteht dabei idealerweise lediglich Wasserdampf. Der Wirkungsgrad liegt hierbei bei circa 60 %; herkömmliche Verbrennungsmotoren erreichen durchschnittlich 40 %.
Allerdings ist die Herstellung von Wasserstoff – derzeit zu 90 % aus dem fossilen Material Erdgas – extrem energieaufwändig und reich an Schadstoffen. Wasserstoff gilt als sehr flüchtiger Stoff, welcher vom Kohlenwasserstoff abgespalten, komprimiert und verflüssigt wird. Zudem ist ein essenzielles Material der Brennstoffzelle – Platin – begrenzt. Es kommt v.a. in Südafrika und Russland vor. „Grüner Wasserstoff“ wird durch Elektrolyse von Wasser und dem Einsatz erneuerbarer Energien, beispielsweise Windkraft, gewonnen und besitzt eine weitaus bessere CO²-Bilanz. Zwar ist der vergleichsweise geringe Wirkungsgrad der Umwandlung problematisch. Dies fällt aber nicht ins Gewicht, wenn ansonsten abgeregelte Energie genutzt wird.
Die Reichweite eines Fahrzeugs mit Brennstoffzelle ist mit ungefähr 400 km deutlich besser als die eines rein batteriebetriebenen Elektroautos. Die Tankinfrastruktur ist noch lange nicht ausgereift; ehrgeizige Planungen sprechen von 400 Ladestationen bis 2023, wobei Schätzungen der WELT zufolge 1.000 nötig wären, um Deutschland ausreichend zu versorgen. Zum Vergleich: H²-Mobility besitzt mit inzwischen 64 Stationen (Stand März 2019) quasi ein Monopol. Die Ladestationen sind einfach in eine herkömmliche Tankstelle zu integrieren, eine Station kostet laut dem Manager Magazin derzeit jedoch noch eine Million Euro. Die Energiemenge in einem Kilogramm Wasserstoff entspricht circa drei Litern Benzin. Wasserstoff gilt als relativ gut transportabel, möglich in gasförmiger, flüssiger oder molekularer Form. In Deutschland ist man an der Vertiefung des Themas noch recht oberflächlich interessiert, während beispielsweise Kanada oder Korea bereits vielfach investieren. 2014 brachte Toyota das Modell „Mirai“ in Serie, von dem bisher allerdings nur eine minimale Anzahl verkauft wurde. Die Auswahl an wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen weltweit ist sehr überschaubar, vor allem fürs Handwerk. Das liegt in erster Linie an dem hohen Kaufpreis von umgerechnet circa 80.000 Euro im Fall Toyota, welcher Schätzungen zufolge auch in naher Zukunft nicht allzu prägnant sinken wird. Daher wird beispielsweise in München mithilfe von CarSharing-Projekten wie „BeeZero“ die neue Technik an potentielle Käufer herangetragen und untersucht. Das Resultat ist ernüchternd: im Sommer 2019 wird das Projekt aus finanziellen Gründen eingestellt.
Fazit: Mir „grünem“ Wasserstoff betriebene Fahrzeuge gelten als sauber. Es ist jedoch noch einiges an Investition und Forschung nötig, um diese Technologie marktfähig zu machen.
Lastenfahrräder #
Eine umweltfreundliche und wirtschaftlich lohnende Alternative zu Kraftfahrzeugen können Fahrräder sein. Diese gibt es als konventionelle Fahrräder oder in der Ausführung als Lastenfahrräder, beide können sowohl mit oder ohne Elektroantrieb ausgestattet sein. Die Einsatzmöglichkeiten insbesondere der Lastenfährräder sind so vielfältig wie die am Markt erhältlichen Bauarten. Es gibt sie mit zwei Rädern (z.B. Bäckerrad), aber auch als drei- oder vierrädrige Varianten (z.B. Rikscha oder Eisfahrrad). Ladeflächen können vorn oder hinten am Fahrrad positioniert sein. Mit kleinen Umbauten können Räder auch als mobile Verkaufsstände dienen.
Bei den elektrisch angetriebenen Varianten wird zwischen Pedelecs, S-Pedelecs und E-Bikes unterschieden:
Beim Pedelec unterstützt der Elektromotor die Muskelkraft des Fahrers. In der Regel leistet der Motor maximal 250 Watt und ist auf eine Geschwindigkeit von 25 km/h begrenzt. Drei Antriebsvarianten sind möglich: Entweder sitzt der Motor im Hinterrad, am Rahmen oder im Vorderrad. Jede dieser Antriebsmöglichkeiten hat Vor- und Nachteile. Hier empfehlen sich Testfahrten, bevor eine Antriebsvariante ausgewählt wird.
Die S-Pedelecs (Schnelle Pedelecs) gehören zu der Gruppe der Kleinkrafträder. Die Leistung beträgt maximal 500 Watt. Das S-Pedelec kann bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h elektrisch und ohne Muskelkraft gefahren werden. Darüber hinaus unterstützt der Motor die Muskelkraft des Fahrers bis zu einer Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h. S-Pedelecs sind – im Gegensatz zu Pedelecs und Lastenfahrrädern ohne Elektroantrieb – zulassungs-, versicherungs- und helmpflichtig. Die Fahrer müssen mindestens 16 Jahre alt sein und einen gültigen Führerschein besitzen.
Bei den E-Bikes nach der eigentlichen Definition (der Begriff wird landläufig auch für Pedelecs oder S-Pedelces benötigt) wird der Elektroantrieb durch einen Drehgriff oder Schaltknopf am Lenker gesteuert, so dass E-Bikes eine hohe Ähnlichkeit zu Mofas haben. E-Bikes werden daher ohne Muskelkraft betrieben. Die Leistung beträgt maximal 500 Watt, die Höchstgeschwindigkeit beträgt jedoch nur 20 km/h. Rechtlich gesehen stellt das E-Bike einen Sonderfall dar: Der Fahrer muss über eine Mofa-Prüfbescheinigung verfügen, eine Helmpflicht besteht jedoch nicht. Trotzdem ist das E-Bike versicherungspflichtig. Es gibt zudem weitere Klassen von E-Bikes mit bis zu 25 km/h, bis zu 45 km/h und mit über 45 km/h. Entsprechend ergeben sich abweichende Vorschriften bzgl. Helmpflicht, Führerschein und Radwegnutzung.
Als Fazit lässt sich feststellen: Lastenfahrräder haben den großen Vorteil, dass sie im Vergleich zu Kraftfahrzeugen wie PKW kostengünstig zu erwerben und günstig im Unterhalt sind. Sie belasten die Umwelt nicht und tragen – bei den Varianten mit zusätzlichem Pedalbetrieb – zur Erhaltung der Gesundheit des Fahrers bei. Sie sind teilweise zulassungsfrei und können ebenfalls zum Teil von Personen ohne Führerschein (z.B. Lehrlinge) gefahren werden. Mit Lastenfahrrädern können Staus umgangen werden und die Parkplatzsuche entfällt. Dies ist vor allem in der Stadt von Vorteil.
Nachteile sind die geringe Reichweite und die geringe Geschwindigkeit im Vergleich zu PKW oder Transportern. Dies betrifft vor allem Überlandfahrten. Außerdem lassen sich mit Hilfe von Lastenrädern keine großen oder schweren Gegenstände transportieren. Lastenfahrräder sind daher ideal für kürzere Strecken, kleinere Lasten und für den Einsatz in der Stadt und/ oder in Umweltzonen. Sie dienen umweltbewussten Betrieben auch als selbsterklärende Werbeträger gegenüber dem Kunden.
Quellen:
http://www.fuhrparktreff.de (Zugriff: 29.06.2016)
https://www.dat.de/leitfaden/LeitfadenCO2.pdf (Zugriff: 29.06.2016)
http://www.pkw-label.de/nc/pkw-label-suche-gewerblich.html#/suche (Zugriff: 29.06.2016)
http://www.mx-electronic.com/pdf/Wirkungsgrad-Vergleich_zwischen_Fahrzeugen_mit_Verbrennungsmotor_und_Fahrzeugen_mit_Elektromotor.pdf (Zugriff: 29.06.2016)
R. Paschotta, Artikel ‚Dieselkraftstoff‘ im RP-Energie-Lexikon, (Zugriff: 29.06.2016)
https://de.wikibooks.org/wiki/Motoren_aus_technischer_Sicht/_Vergleich_zwischen_dem_Otto-_und_dem_Dieselmotor, (Zugriff: 28.07.2016)
http://produkte.bosch-mobility-solutions.de/media/ubk_europe/db_application/downloads/pdf/antrieb/de_5/DS-Datenbl_P1A7_WHR_DE_low.pdf, (Zugriff: 28.07.2016)
http://www.prognos.com/uploads/tx_atwpubdb/140900_Prognos_Shell_Studie_Pkw-Szenarien2040_Pressegrafiken.pdf (Zugriff: 29.07.2016)
https://www.adac.de/_mmm/pdf/g-b-d-vgl_47097.pdf (Zugriff: 03.08.2016)
https://www.hannoversche.de/aktuelles/erdgas-oder-autogas-was-ist-besser-alternative-antriebe.htm (Zugriff: 03.08.2016)
http://www.bafa.de/bafa/de/wirtschaftsfoerderung/elektromobilitaet/publikationen/emob_liste_foerderfaehige_elektrofahrzeuge.pdf (Zugriff: 09.08.2016)
https://www.hannoversche.de/aktuelles/elektroantrieb-fuer-autos-alternative-der-zukunft-alternative-antriebe.htm (Zugriff: 09.08.2016)
https://de.wikipedia.org/wiki/Transportrad (Zugriff: 24.08.2016)
http://www.welt.de/wirtschaft/article140788655/So-finden-Sie-das-E-Bike-das-perfekt-zu-Ihnen-passt.html (Zugriff: 24.08.2016)
http://www.adfc.de/pedelecs/elektrorad-typen/elektrorad-typen (Zugriff: 24.08.2016)
Übersicht
- Management der betrieblichen Logistik
- Carsharing
- Logistik / Tourenplanung / Fuhrpark- und Fahrtenmanagement
Management der betrieblichen Logistik #
Wenn die in den vorangegangenden Kapiteln aufgezeigten Lösungen systematisch angegangen werden sollen, empfiehlt sich ein auf die Betriebsgröße angepasstes professionelles Logistikmanagement, um eine umweltschonende, wirtschaftliche und zuverlässige Logistik zu realisieren. Die wichtigsten Ziele sind:
- Pünktlichkeit
- Zuverlässigkeit
- reduzierte Mobilitätskosten
- weniger betriebsbedingter Verkehr (besonders Leerfahrten)
- effizienter Zeiteinsatz der Mitarbeiter
- minimierter Fuhrpark (effizienter Einsatz der Firmenfahrzeuge)
- Erfüllung von Auflagen der öffentl. Hand und von Auftraggebern (z.B. Umweltzertifizierung)
- Präsentation als moderner Arbeitgeber und Geschäftspartner
- Motivierte, zufriedene und gesunde Mitarbeiter
Häufig ergeben sich schon durch einfache Maßnahmen deutliche Einsparpotentiale. Eine gute Routenplanung und eine gute Dokumentation bei der Ermittlung des Aufmaßes (EDV auf der Baustelle) helfen beispielsweise dem Monteur/ Handwerker dabei, die Arbeit vor Ort schneller zu erledigen. Zusätzliche Besorgungsfahrten oder mehrfache Anreisen zum Kunden werden verringert. Als Nebeneffekt führt dies zu einer besseren Qualität der erbrachten Leistungen und einer positiveren Wahrnehmung des Betriebes seitens des Kunden. Andere Beispiele zeigen, dass durch Auslastungssteigerungen vorhandener Fahrzeuge bzw. die Anschaffung eines Anhängers ein oder mehrere Fahrzeuge eingespart werden konnten. Es sind auch Verlagerungen auf nicht motorisierte Verkehrsmittel wie Lastenräder möglich. Die Möglichkeiten sind vielfältig.
Auch für die Mitarbeiter birgt die Einführung eines Logistikmanagements klare Vorteile. Verbesserungen in der Organisation von Kundenterminen (Planung und Durchführung) führen dazu, dass Mitarbeiter weniger gestresst sind, da sie nicht von Termin zu Termin hetzen müssen. Weniger Stress bewirkt meist eine defensivere Fahrweise, wodurch die Gefahr von Verkehrsunfällen und Geschwindigkeitsüberschreitungen reduziert wird. Beides kann zu längeren Ausfallzeiten von Mitarbeitern für den Betrieb führen. Auch direkte Kostenersparnisse, wie z. B. die Bezuschussung von Fahrkarten des ÖPNV, die Möglichkeit, Firmenfahrzeuge für den Arbeitsweg zu nutzen, sowie Bonuszahlungen für besonders spritsparendes Fahren, tragen zur Motivation von Mitarbeitern bzgl. des ökologischen Verhaltens bei.
Information & Motivation
Erfolgreich lässt sich ein betriebliches Logistikmanagement im Handwerksbetrieb nur mit motivierten und engagierten Mitarbeitern umsetzen, da sie Schlüssel zum Erfolg sind. Die Mitarbeiter dort abzuholen, wo sie vor der Einführung des Logistikmanagements stehen, und sie für dieses Thema zu sensibilisieren und vorzubereiten, ist das Ziel. Dafür ist es sinnvoll, die Mitarbeiter frühzeitig anzusprechen und sie in die Planung und Umsetzung mit einzubeziehen. Dies gestaltet sich bei kleinen Handwerksbetrieben im Gegensatz zu großen Unternehmen meist einfacher, da die Betriebsinhaber oder Fuhrparkverantwortlichen einen direkteren Draht zu den Mitarbeitern haben. Mit Praxisbeispielen anderer Betriebe oder Kosten-Nutzen-Gegenüberstellungen können die Vorteile für den Betrieb dargelegt werden.
Planung & Bedarfsanalyse
Häufig ist das Problem oberflächlich betrachtet klar. Die Fahrzeit der Mitarbeiter verringern oder die Auslastung der Fahrzeuge erhöhen. Bei detaillierter Betrachtung ergeben sich jedoch Fragen und Auswirkungen von Verbesserungsmaßnahmen, die nicht ohne weiteres überschaut werden können. Mithilfe folgender Fragen kann die Bedarfsanalyse und Zielformulierung systematisch angegangen werden:
- Pünktlichkeit der Mitarbeiter bei Kundenterminen verbessern
- gestresste Mitarbeiter entlasten
- Anzahl von unproduktiven Leerfahrten verringern
- häufige Materialbeschaffung vermeiden
- Finanzielle Belastung durch Fixkosten des Fuhrparks minimieren
- Treibstoffkosten reduzieren
- CO2 Ausstoß verringern
- Wie dringlich ist die Lösung einzelner Probleme? Prioritäten festlegen.
- Ist ein Problemverständnis auf allen Unternehmensebenen vorhanden?
- Gemeinsames Verständnis der Probleme, Ursachen und Ziele auf allen Ebenen und in allen Zweigen schaffen (Führung, Verwaltung, Lager, Innendienst, Außendienst, Vertrieb)
- Welche Personen innerhalb und außerhalb des Betriebs müssen in die Analyse & Zielformulierung eingebunden werden (Führung, Fuhrparkverantwortlicher [evtl. Meister oder Sekretariat], Gesamte Belegschaft oder nur einzelne Mitarbeiter, Externe Berater)
Ein Informationsaustausch zwischen dem Fuhrparkverantwortlichen und seinen Mitarbeitern ist der einfachste Weg, um die Potenziale/ Probleme zu entdecken. Je nach Größe des Unternehmens kann dies auch nur mit Personen des betroffenen Bereichs stattfinden. Zur Unterstützung ist es möglich, externe Mobilitätsberater hinzuzuziehen. Diesen stehen erprobte Werkzeuge wie die Wohnstandorts-Analyse der Belegschaft (Ecolibro), ein Prozesskostenrechner (Verkehrsclub Deutschland) oder erprobte Fragebögen zur Verfügung. Bei den Gesprächen sollte geklärt werden, ob ein gemeinsames Problemverständnis besteht. Darauf aufbauend kann ein Zeitplan mit den einzelnen Arbeitsschritten, Aufgaben und Verantwortlichkeiten entwickelt und umgesetzt werden.
Je nach Problem und Zielsetzung sind unterschiedliche Informationen, die zum Teil schon in den vorangegangenen Kapiteln näher beschrieben wurden, notwendig, um geplante Veränderungen erfolgreich durchzuführen. Folgende Themenbereiche, die zum Teil in den vorangegangenen Kapiteln näher beschrieben wurden, können für die Datenerhebung zur Feststellung der Ausgangssituation genutzt werden.
Standort Betrieb / Filialen
Wie im Kapitel Transportbedarf in Betrieben/Der Betriebsstandort beschrieben, spielt die Erreichbarkeit des Betriebes eine wichtige Rolle, sei es für die eigenen Mitarbeiter, Lieferanten oder auch den Weg zur Baustelle, zu anderen Filialen oder zum Kunden. Da die meisten Unternehmen an ihren Standort gebunden sind, gibt es nur bei einem Neubau oder einer Erweiterung die Möglichkeit, hierauf Einfluss zu nehmen. Trotzdem empfiehlt es sich, den eigenen Standort zu analysieren und zu bewerten, um hieraus Empfehlungen abzuleiten. Stehen die Mitarbeiter häufig im Stau? Lässt sich dieses Problem durch eine verbesserte Routenplanung minimieren? Wie ist die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV)? Können Mitarbeiter den ÖPNV für den Arbeitsweg nutzen? Werden Mitarbeiter unabhängig vom Verkehrsaufkommen und ohne eigenes Fahrzeug zu Baustellen transportiert? Kennen alle Mitarbeiter die Möglichkeiten des ÖPNV im Umfeld des Betriebs?
Für Betriebe, die in der Stadt oder am Stadtrand ansässig sind, kann es sinnvoll sein, bestimmte Aufträge mit einem Lastenrad zu erledigen. Dies ist gut für die Gesundheit, kann Staus umgehen und zeigt auf den ersten Blick ökologisches Engagement.
Wohnorte der Mitarbeiter
Können Synergieeffekte zwischen Betrieb, Wohnort und Kunden/ Baustellen genutzt werden? Wenn Mitarbeiter beispielsweise in der Nähe der Kunden wohnen, können diese morgens direkt von zu Hause losfahren. So können Staus umgangen und damit Arbeitszeit und Spritkosten eingespart werden.
Anzahl der Mitarbeiter
Welche personellen Ressourcen stehen für die Planung und Umsetzung von Logistikoptimierungen zur Verfügung. Können Mitarbeiter neben ihrer normalen Tätigkeit das Thema auch über einen längeren Zeitraum betreuen? Je nach Größe der Belegschaft sollte überlegt werden, wie die Mitarbeiter am besten angesprochen und motiviert werden können.
Stellplatzangebot für Mitarbeiter und Kunden
In größeren Betrieben kann es bzgl. des Stellplatzangebotes für Fahrzeuge zur „Konkurrenz“ zwischen Mitarbeitern und Kunden kommen. Hier kann es sinnvoll sein, der Belegschaft die Vorzüge des ÖPNV (falls vorhanden) zu erläutern, ggf. kann die Nutzung des ÖPNV durch eine finanzielle Unterstützung des Betriebes gefördert werden.
Fuhrparkoptimierung
Der Fuhrpark sollte einer regelmäßigenPrüfung unterliegen. Werden alle Fahrzeuge benötigt? Sind die eingesetzten Fahrzeuge für Ihren Einsatzzweck richtig dimensioniert oder evtl. überdimensioniert? Wie hoch ist die Auslastung einzelner Fahrzeuge? Welche Schadstoffklassen besitzen die Fahrzeuge? Bei Neuanschaffung sollten auch alternative Antriebsarten wie gasbetriebene Verbrennungsmotoren oder Elektroantriebe geprüft werden. Siehe auch Der betriebliche Fuhrpark
Fahrtkosten-/ Dienstreiseregelung
Gibt es eine Fahrtkostenerstattung für Dienstfahrten mit dem privaten Fahrzeug? Müssen CO2-arme Verkehrsmittel bei Dienstreisen bevorzugt genutzt werden? Ist bereits ein Job-Ticket für die vergünstigte Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs im Betrieb vorhanden oder ist eine Einführung geplant? Können Mitarbeiter mit Elektrofahrzeugen an eigener Ladesäule laden? Stehen firmeneigene Lasten-/Elektrofahrräder zur Verfügung und können diese auch privat genutzt werden? Wird ein Dienstradleasing angeboten mit den gleichen steuerlichen Vorteilen, welche für Dienstwagen gelten?
Individuelles Verkehrsverhalten
Wie ist die Einstellung der Mitarbeiter gegenüber bestimmten Verkehrsmitteln? Sind die Möglichkeiten, mit ÖPNV und Fahrrad zur Arbeit zu kommen, bekannt? Können sich Mitarbeiter vorstellen, mit einem Elektrofahrzeug oder Lastenrad zu fahren? Können betriebliche Aufgaben mit öffentlichen Verkehrsmitteln erledigt werden? Welchen Stellenwert hat die Umwelt für die Mitarbeiter und sind sie bereit, ggf. Komforteinbußen hinzunehmen? Zur Datenaufnahme kann ein Fragebogen hilfreich sein.
Für weitere Ideen zur Optimierung der betrieblichen Mobilität, siehe auch Transportbedarf in Betrieben und Der betriebliche Fuhrpark
Einführung und Umsetzung
Eine umweltschonende und zugleich kostenoptimierte betriebliche Logistik lässt sich vor allem durch Fachkenntnisse im Betrieb, umgesetzte Methoden und Strategien verwirklichen. Häufig sind eine Hinterfragung vieler bisheriger Vorgehensweisen und ein Umdenken hin zu optimierten Methoden notwendig. Ein Ansatz ist es, eine geeignete Mitarbeiterin bzw. einen geeigneten Mitarbeiter explizit für das Thema betriebliche Logistik zu beauftragen und zu qualifizieren. Dies kann z. B. durch am Markt angebotene Schulungen und Seminare erreicht werden. Je nach Vorkenntnissen der entsprechenden Person kann für den Einstieg eine eher allgemeine Fortbildung zur betrieblichen Logistik angegangen werden, in der das Thema umfassend beleuchtet und dargestellt wird. In der Folge ist zu erwarten, dass einzelne Themenbereiche mit weiteren Schulungen vertieft werden müssen. Wichtig ist, dass sowohl auf strategischer Ebene hinreichende Kenntnisse vorhanden sind als auch auf der Ebene der ausführenden Personen. Hieran sollten auch etwaig besuchte Schulungen ausgerichtet werden (z. B. eher praktisch orientierte Trainings für die ausführende Ebene). Eine gute und inspirierende Quelle kann auch der Besuch einer Fachmesse sein, auf der z. B. Software für Logistikmanagement vorgeführt wird. Nicht selten wird durch das Kennenlernen von verfügbaren Lösungen ein Bewusstsein für die wirtschaftlichen und ökologischen Potenziale im eigenen Betrieb geschaffen.
Neben der Qualifikation von zuständigen Personen auf der fachlichen Ebene ist es wichtig, dass die Betriebsleitung hinter entsprechenden Optimierungsprozessen steht. Es sollten sowohl die übergeordneten als auch konkrete Ziele erarbeitet und priorisiert werden. Für die mit der Umsetzung beauftragten Personen stellen diese Ziele einen wichtigen Handlungsrahmen dar, der eine strukturierte Vorgehensweise erst möglich werden lässt. Wichtig ist zudem, dass die Betriebsleitung alle Ressourcen zur Verfügung stellt, die für eine Zielerreichung notwendig sind (z.B. Arbeitszeit, Lehrgänge, Software, Unterlagen, …). Allzu oft scheitern innerbetriebliche Projekte an mangelnden Ressourcen und einem schlechten Projektmanagement. Sinnvoll ist es, vor dem Beginn von konkreten Maßnahmen die vorhandenen Potenziale umfassend aufzuspüren und klar zu benennen. So ist es leichter, strukturiert vorzugehen und eine gemeinsame „Vision“ der optimierten Logistik zu entwickeln. Zudem werden dadurch die gemeinsame Verfolgung und die Bewertung von erzielten Verbesserungen erleichtert. Dies kann zum Beispiel anhand von Kennzahlen oder Grafiken erfolgen, die monatlich oder jährlich fortgeschrieben werden. Hierbei kann auch die betriebseigene oder externe Buchhaltung unterstützen, z. B. mit der Aufbereitung von logistikbezogenen Daten (Kosten, Zeiten, Kraftstoffverbräuche). Sollten für das Erfassen und das Protokollieren von Daten im Betrieb oder für die Erteilung von Fahrtaufträgen oder Tourenplanungen Formulare benötigt werden, lohnt sich die Suche im Internet. Viele praktische Vorlagen wie zum Beispiel das Energiebuch der Handwerksammern sind kostenfrei erhältlich, aber auch kommerzielle Zusammenstellungen von Hilfsmitteln können eine sinnvolle Hilfe sein. Grundsätzlich sollte der Erfolg einer strategisch angelegten Optimierung nicht kurzfristig, sondern als Ergebnis eines kontinuierlichen Entwicklungsprozesses verstanden werden.
Bei der Einführung eines betrieblichen Logistikmanagements sollte beachtet werden, dass nicht alle theoretisch möglichen Maßnahmen im Betrieb umzusetzen sind. Abhängig vom Standort, dem Einsatzgebiet und der Anzahl der Mitarbeiter/ Fahrzeuge ergeben sich individuelle Rahmenbedingungen für einen Betrieb, die in weiterer Folge zu individuellen Aktionsplänen mit unterschiedlichen Priorisierungen führen.
Als Vorgehensweise empfehlen sich zwei Varianten. Entweder gezielte Einzelmaßnahmen umsetzen oder eine ganzheitliche Betrachtung aller Bereiche der betrieblichen Mobilität durchführen. Gezielte Maßnahmen haben den Vorteil, dass sie schnell umzusetzen sind, vielleicht aber nicht die Ursache des Problems erfassen. Besser ist ein systematisches ganzheitliches Vorgehen. Dieses dauert zwar länger und erfordert mehr Arbeitsaufwand, kann aber schrittweise umgesetzt werden und führt mittelfristig zu größeren Vorteilen. Es sollte berücksichtigt werden, dass jedes Unternehmen Veränderungen der Belegschaft, des Fuhrparks und des Einsatzgebiets unterliegt. Die beste Möglichkeit sich diesen Veränderungen anzupassen ist eine kontinuierliche Überprüfung und Anpassung des Mobilitätsverhaltens.
Überprüfung & Veröffentlichung
Eine Überprüfung der Maßnahmen findet in der Regel nicht von selbst statt. Daher sollte eine erfolgsorientierte Kontrolle der Maßnahmen nach einiger Zeit gezielt geplant werden. Es sollte angestrebt werden, ein betriebliches Logistikmanagement nicht als punktuelle, räumliche oder zeitliche Einzelmaßnahmen umzusetzen, sondern es als dynamischen Motivations-, Lern- und Erfahrungsprozess in den Unternehmensalltag zu integrieren. Denn dann können vorhandene Potenziale besonders gut erschlossen werden!
Neben der Überprüfung sollte eine projektbegleitende Öffentlichkeitsarbeit angestrebt werden. Einerseits hilft dies, die Mitarbeiter über den Stand der Maßnahmen zu informieren, andererseits werden sie dadurch zur weiteren Mitarbeit motiviert.
Erfolge bei der Reduzierung der verkehrsbedingten Kosten steigern zudem die Wettbewerbsfähigkeit des Betriebes. Richtig beworben können ökologische Verbesserungen auch zu einem Imagegewinn führen. Es gibt hierzu viele Möglichkeiten: z. B. das Benennen der Einsparungen auf der eigenen Internetseite, ein Hinweis auf der Rechnung „Anfahrt mit Elektro-Kundendienstfahrzeug“ oder die Mitgliedschaft in einem Umweltnetzwerk. Das Unternehmen kann auf diese oder andere Weisen sein Engagement präsentieren und damit heutzutage bei vielen Kunden und den eigenen Mitarbeitern zusätzlich punkten.
Literaturverzeichnis
Behörde für Umwelt und Energie (BUE), Wege zur schadstoffarmen Mobilität, BUE, 2016
Behörde für Umwelt und Energie (BUE), Mobile Perspektiven, BUE, 2015
Hans-Ludwig Bruns, Klaus Vennefrohne, Lars Welk, Mobilitätsmanagement in der betrieblichen Praxis, Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW), 2007
Gregor Kolbe, Michael Müller-Görnert, Steffi Windelen, Effizienter Fuhrpark – kostengünstig, umweltschonend, zukunftssicher, Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD), 2010
Carsharing #
Ältere Studien berechneten, dass jedes Carsharing-Auto bis zu zehn private Pkw ersetzt. Wenn das eigene Auto verkauft und stattdessen ein „geshartes“ mit dem öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) zusammen genutzt wird, mag diese Behauptung stimmen. Die Realität sieht aber häufig anders aus. Zum einen werden Carsharing-Fahrzeug zusätzlich zum eigenen Auto genutzt, um beispielsweise den Einkauf mal schnell nach Hause zu fahren, zum anderen finden Fahrten dann nicht mehr im ÖPNV statt. Richtig genutzt kann Carsharing aber zur Reduzierung des innerstädtischen Verkehrs und vor allem des Parkdrucks beitragen. Dies bedeutet ein Plus für die Umwelt, aber auch fürs Handwerk, welches sich mit immer größeren Problemen bei der Parkplatzsuche in Baustellen- oder Kundennähe konfrontiert sieht. Aber lohnt sich Carsharing auch für Handwerksbetriebe?
Hatten Handwerksbetriebe in der Vergangenheit auch für seltene Einsatzzwecke oder Bedarfsfälle eigene Fahrzeuge im Fuhrpark, schwenken heutzutage immer mehr Betriebe um. So nutzt nach Angaben des Bundesverbands CarSharing (BCS) rund ein Viertel der Carsharing-Kunden die Fahrzeuge auch dienstlich. Das sind zum Großteil natürlich Nicht-Handwerksbetriebe. Beim Carsharing-Anbieter Cambio – einem großen deutschen Marktteilnehmer – liegt der Anteil an Handwerksbetrieben bei ca. acht Prozent. Vor allem Tischler, Schlosser und Elektriker nutzen dieses Angebot. Der Hauptgrund ist in der Regel die Kostenersparnis im Vergleich zum eigenen wenig genutzten Fahrzeug. Bei diesen fallen Reparatur- und laufende Fixkosten für Steuern, TÜV, Versicherungen, etc. mehr ins Gewicht. Attraktiv ist aber auch, dass niemand sich um die Fahrzeuge kümmern muss. Sie sind modern, auf dem technisch neusten Stand und erfüllen dadurch geforderte Abgaswerte in deutschen Innenstädten.
Das stationsbasierte Carsharing, bei dem die Fahrzeuge an einer Station ausgeliehen und wieder abgegeben werden, ist das von Handwerkern bevorzugte System. Die Fahrzeuge lassen sich per Telefon oder Internet lang- und auch häufig kurzfristig reservieren. Die Preise hierfür haben sich in den letzten Jahren kaum verändert. Bei stationsunabhängigen Anbieter – dem sogenannten free-floating Carsharing – stehen die Fahrzeuge in einem festgelegten Gebiet und werden auch dort wieder abgestellt. Diese eignen sich kaum für das Handwerk. Auch sind die Preise für handwerkstypische Nutzungsdauern deutlich höher.
Wer viel fährt, zahlt beim Carsharing aber drauf
Ob Betriebe beim Carsharing sparen oder dazuzahlen kommt auf die Häufigkeit und die Dauer der Nutzung an. Je weniger man die Fahrzeuge braucht, desto eher lohnt es sich. Wer bis zu 10.000 km im Jahr (rund 850 km pro Monat) unterwegs ist, fährt in der Regel mit Carsharing günstiger. Dies gilt vor allem für Fahrzeuge, die nicht voll ausgelastet sind, beispielsweise um Mitarbeiter zu Baustellen zu bringen oder für einzelne Großtransporte. Natürlich gibt es auch Einschränkungen, wenn in größerem Umfang Werkzeug oder Material transportiert werden muss, welches im Wagen verbleiben soll. Auch Fahrzeuge besonders verschmutzt oder beschädigt abzugeben, kann im Nachhinein teuer werden. Betriebe die Carsharing regelmäßig nutzen berichten aber, dass die Fahrzeuge bei der Abgabe auch wie Nutzfahrzeuge geprüft werden und nicht jeder kleine Kratzer oder jede Delle bemängelt wird. Unproblematisch lassen sich die gemieteten Fahrzeuge natürlich für Beratungen, Kundentermine, Geschäftsreisen und Baustellenbesichtigungen oder ähnliche Aufgaben nutzen. Auch wenn das Carsharing-Angebot vor allem in Großstädten gut ist, steigt die Verfügbarkeit ebenfalls im ländlichen Raum. Deutschlandweit findet man mittlerweile rund 840 Orte.
Praxisbeispiele:
- Ein Tischler führt die meisten Aufträge mit einem Fahrzeug der Caddy-Klasse aus. Zur Auslieferung großer Möbelstücke mietet er sich bedarfsweise einen großen Lieferwagen. Dies ist günstiger als dauerhaft mit einem größeren Fahrzeug zu fahren. Der Betrieb spart Kraftstoffkosten, Versicherungen und Steuern ein, findet leichter Parkplätze und hat einen geringeren Schadstoffausstoß.
- Ein SHK-Betrieb hat einen Großteil seines Fuhrparks auf Elektromobilität umgestellt. Um schwere oder große Lasten zu transportieren, nutzt er noch einen alten Dieseltransporter mit Anhänger. Statt in einen neuen Transporter zu investieren, verkauft er das Gespann und mietet sich bei Bedarf ein Fahrzeug. Die Carsharing-Kosten sind auf die Nutzungsdauer bezogen geringer als eine Neuanschaffung. Zusätzlich ist mehr Platz auf dem Betriebshof vorhanden.
Literaturverzeichnis
Joachim Becker, Carsharing rechnet sich in den meisten deutschen Städten nicht, Süddeutsche Zeitung, 09.08.2019
Deutsche Handwerkszeitung, Wie Handwerksbetriebe Carsharing nutzen, 28.08.2017
https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/elektromobilitaet/info/carsharing-vergleich-elektroautos/ (Abgerufen 09.12.2020)
Logistik / Tourenplanung / Fuhrpark- und Fahrtenmanagement #
Außentermine erfordern eine gute Planung, denn Zeit ist Geld. Als erster Schritt kann es sinnvoll sein, sich einen Gesamtüberblick über die zurückgelegten/ geplanten Strecken des alltäglichen Geschäfts zu verschaffen. Hierfür bietet es sich an, die Wohnorte der Mitarbeiter, häufig auftretende Staus und Außentermine des Unternehmens zu erfassen. Bei mehreren Orten in einem Gebiet, lassen sich diese zur Vereinfachung auch als Schwerpunkte zusammenfassen. Als Hilfsmittel zur Fahrtzeitermittlung zwischen den Orten/ Kunden bieten sich internetbasierte Routenplaner sowie – zur besseren Visualisierung – eine große Karte mit Stecknadeln der für den Betrieb relevanten Orte an (Beispielbild). Es sollte darauf geachtet werden, dass vor allem im Berufsverkehr, die Fahrtzeiten erheblich variieren können. Eventuell lassen sich häufig auftretende Staus umgehen, indem morgens eine direkte Anfahrt vom Wohnort der Mitarbeiter erfolgt, was in vielen Betrieben bereits Standard ist. Eine Rückmeldung der Fahrer, ob Ziele pünktlich erreicht wurden oder nicht, mit Benennung der Ursache, kann helfen systematische Probleme zu erkennen und diesen entgegenzuwirken.
Als Hilfsmittel für eine schnelle Zielerreichung, sind Navigationssysteme inzwischen weit verbreitet. Müssen aber mehrere Termine koordiniert oder neue Aufträge direkt an den nächsten freien Mitarbeiter vergeben werden, können spezielle Software- und Telematiklösungen hilfreich sein. Diese sind in der Anschaffung vergleichsweise teuer, lohnen sich aber für Unternehmen, die mehrere Außendienstmitarbeiter im Einsatz haben, Waren verteilen oder viele Termine verknüpfen müssen. Zu den potentiellen Nutzern zählen z. B. der Vertrieb, der technische Außendienst, die Filialbelieferung sowie Kurier- und Lieferdienste. Ein auf den Einsatzbereich zugeschnittenes Tourenplanungsprogramm unterstützt bei der täglichen Routenerstellung: Das Programm ordnet die Aufträge den einzelnen Mitarbeitern bzw. Fahrzeugen zu und bestimmt die Reihenfolge, in der die Aufträge abzuarbeiten sind. Moderne Systeme berücksichtigen auch Faktoren wie Kundenzeitfenster, Pausenregelungen oder andere vom Benutzer eingetragene Randbedingungen. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, diese Programme mit einem Telematiksystem zu verbinden. Damit kann die aktuelle Position der Fahrzeuge bestimmt werden und neue Aufträge lassen sich direkt dem Mitarbeiter zuweisen, der sich gerade in der Nähe befindet. Über eine Kopplung mit dem Bordcomputer ist außerdem möglich, Geschwindigkeit, Verbrauch oder auch Fehlercodes des Fahrzeugs einzusehen. Es besteht zudem die Möglichkeit ein elektronisches Fahrtenbuch zu erstellen oder sich die Routen aller Fahrzeuge für die letzten drei Monate anzeigen zu lassen. Natürlich sind solche umfassenden Lösungen nicht für alle Handwerksbranchen sinnvoll, sie werden aber z. B. bei größeren Betrieben des SHK- oder Elektrohandwerks bereits erfolgreich eingesetzt.
Mit Hilfe von angepassten kleinen oder großen Telematik- und Softwarelösungen wird die Effizienz der täglichen Außendienstfahrten gesteigert. Sie vermeiden unnötige (Leer-) Fahrten und teure Standzeiten. Die Arbeitseffizienz wird erhöht und die Servicequalität verbessert, da schneller auf Kundenwünsche reagiert werden kann. Auch die Mitarbeiter profitieren: dank einer guten Planung und besseren Übersicht der Kundenerreichbarkeit, können sie unnötige Wartezeit vermeiden und stehen dabei zugleich weniger unter Zeitdruck. Termine für regelmäßige Wartungsintervalle der Fahrzeuge (Öl, Licht, Reifendruck, …) oder anstehende TÜV-Untersuchungen können im System hinterlegt werden, damit der Fahrer rechtzeitig darauf hingewiesen wird.
Die Preise für Telematiklösungen hängen stark von der Anwendung (Kosten Disponent/ Anzahl der Fahrzeuge) und den mitgekauften Optionen ab. Pauschale Kostenaussagen sind daher nicht möglich. Ein gravierender Unterschied ist zunächst, ob die Telematik-Hardware gemietet oder gekauft wird. Die Kosten für Telematiklösungen variieren je nach Hersteller und Leistungsumfang. Für die Modelle eines namhaften Herstellers betragen die Kosten je Fahrzeug zwischen 30 Euro für das Basismodell und etwa 250 Euro mit diversen Zusatzmodulen (exkl. der Kosten für den Einbau in das Fahrzeug). Hinzu kommen monatliche Nutzungsgebühren der Software (Kommunikationsportal) sowie Gebühren für die Übertragung der Fahrtziele und die Fahrzeugdaten per Mobilfunk (etwa 20 Euro pro Fahrzeug und Monat). Für die Schulung der Mitarbeiter sollte bei der Einführung einer Telematiklösung ebenfalls ein Budget eingeplant werden.
Neben prominenten Systemanbietern wie z.B. TomTom Telematics, Avrios, mobileObjects oder Blaupunkt Telematics gibt es eine Vielzahl weiterer großer und kleiner Anbieter von Telematiklösungen und Tourenoptimierungssoftware. 20 solcher Softwareprogramme, welche insbesondere für kleine und große Handwerksbetriebe in Frage kommen, wurden von der Fachzeitschrift „handwerk magazin“ in einem Artikel näher vorgestellt. Der direkte Vergleich ist hier zu finden.
Da sich die Kosten der Systeme teilweise deutlich voneinander unterscheiden, sollten aussagefähige Testberechnungen in die Auswahl mit einfließen. Bei täglich festen Touren, zum Beispiel der Filialbelieferung einer Bäckereikette, reicht meist eine einmalige Beratung durch spezialisierte Unternehmen aus.
Bei der Einführung von GPS gestützten Systemen, gilt es gesetzliche Vorschriften zum Schutz der Mitarbeiter zu beachten. Die Systeme dürfen nicht zur Dauerüberwachung von Mitarbeitern eingesetzt werden. Sie sollen die Mitarbeiter unterstützen und keinen permanenten Kontrolldruck ausüben. Die Anbieter sollten daher, vor der Einführung und bezogen auf die erfassten Daten, gezielt hierauf angesprochen werden. Weitere Informationen hierzu sind auch im Bundesdatenschutzgesetz zu finden.
Literaturverzeichnis
Behörde für Umwelt und Energie (BUE), Wege zur schadstoffarmen Mobilität, BUE, 2016
Behörde für Umwelt und Energie (BUE), Mobile Perspektiven, BUE, 2015
Hans-Ludwig Bruns, Klaus Vennefrohne, Lars Welk, Mobilitätsmanagement in der betrieblichen Praxis, Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW), 2007
Gregor Kolbe, Michael Müller-Görnert, Steffi Windelen, Effizienter Fuhrpark – kostengünstig, umweltschonend, zukunftssicher, Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD), 2010
EDV auf der Baustelle – Vernetzung von Büro und Außendienst #
Die Büroorganisation vieler Handwerksbetriebe erfolgt heute bereits mittels Software. Eine Umfrage [1] der Handwerkskammer Münster ergab zudem, dass ca. 60 Prozent der befragten Betriebe mobile Informations- und Kommunikationsmittel für Service und betriebliche Abläufe nutzen, etwa für die Zeiterfassung und Verwaltung. Ein Problem ist, dass häufig keine einheitliche und von überall aus erreichbare Datenplattform vorhanden ist.
Eine Lösung ist sogenannte ERP-Software, welche umfassende Möglichkeiten bietet. ERP steht für Enterprise Resource Planning und bezeichnet die Ressourcenplanung eines Unternehmens. Nicht nur im Büro, sondern auch auf der Baustelle, im Lager oder im Außendienst beim Kunden kann die Software von Mitarbeitern genutzt werden. Somit kann stets auf aktuelle Kunden- und Projektdaten oder Lieferzeiten zugegriffen werden.
Entsprechende Programme gibt es von verschiedenen Herstellern. Sie bieten einen einheitlichen Datenfluss, abgestimmt auf den jeweiligen Arbeitsprozess und den entsprechenden Anwender. Damit entfällt die aufwendige und fehleranfällige mehrfache Datenbearbeitung. Ein Praxisbeispiel: bereits bei der Erfassung des Aufmaßes vor Ort durch einen Kundenberater können alle Daten und Fotos direkt im ERP-System gespeichert werden. Die ebenfalls mit einem Laptop oder Tablet ausgestatteten Monteure können auf die Daten zugreifen, benötigte Werkzeuge und Teile in das Fahrzeug laden und zum Kunden fahren. Eine automatisierte Lagerwirtschaft meldet entstehende Fehlbestände. Arbeitsfortschritte auf der Baustelle bzw. verbaute Teile lassen sich mit Bildern und Rechnungen für einen späteren Einsatz oder Gewährleistungsfälle dokumentieren. Alle vom Monteur eingegebenen Daten können für die Rechnungsstellung vom Büro aus abgerufen werden, um den Auftrag abzuschließen. Einige Programme lassen sich auch mit Tourenplanungssoftware kombinieren, sodass die Auftragsvergabe, Routenführung und Dokumentation in einem System vereint sind. Die folgende Auswahl von Anbietern soll nur einen ersten Überblick verschaffen, es gibt vergleichbare Programme auch von anderen Herstellern.
ZIEMER GmbH Elektrotechnik & Softwareentwicklung
Taifun Software AG[1] = http://www.handwerk-magazin.de/fuer-ihre-flotte-flotte-fuhrpark-management-loesungen/150/4/328971 (Abruf 19.01.2017)
Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) #
Transportbedarf in Betrieben #
Viele Betriebe setzen bei der Reduktion des Kraftstoffverbrauchs auf der Ebene der Fahrzeuge an. Da das Fahrzeug zwar zur Ausführung der Transportaufgaben dient, aber nur indirekt einen Einfluss auf deren Häufigkeit und die zurückgelegte Strecke hat, sollte eine Erhebung und Auswertung des Ist-Zustandes der betrieblichen Transportaufgaben erfolgen:
- Was wird derzeit transportiert (Mitarbeiter, Material, Werkzeuge)?
- In welcher Häufigkeit, über welche Entfernung und mit welchem Volumen bzw. Gewicht?
- Zu welchen Uhrzeiten?
- Welche Transporte sind vermeidbar, welche sind unvermeidbar?
Bereits hier existieren viele Ansätze, um mobilitätsbezogene Emissionen zu reduzieren. Diese werden in vielen Betrieben bereits genutzt, in anderen Betrieben jedoch vernachlässigt.
Der Betriebsstandort
Der Betriebsstandort beeinflusst die notwendigen Transportbedarfe bzw. die zu überwindenden Strecken in hohem Maße. Ist ein Betriebsstandort bereits vorhanden (mit Grundstücken, Firmengebäuden usw.), werden wohl nur wenige Unternehmer bereit sein, diesen allein aus Gründen des Umweltschutzes zu verlegen. Der Kosten- und Arbeitsaufwand dafür ist hoch und auch der Bekanntheitsgrad des Unternehmens kann unter einem Umzug ggf. leiden, wenn die Kunden den Betrieb nicht mehr an der gewohnten Stelle finden. Stehen jedoch weitreichende Reorganisationen des Betriebes oder auch Gebäudeneubauten ohnehin an, sollten Überlegungen zum künftigen Bedarf an Transportaufgaben bei der Standortwahl einbezogen werden. Eine gute Verkehrsanbindung, die Nähe zu den geplanten Einsatzorten der beschäftigten Handwerker aber auch die Nähe zur Laufkundschaft (Besuch des Ladengeschäftes) oder zum Großhandel sind relevant. Im Sinne dieses Leitfadens wird angeregt, die einzelnen Aspekte mit Hilfe einer systematischen Zusammenstellung (Lastenheft) bei der Planung zu berücksichtigen. Viele Handwerker fahren mehrmals die Woche und teilweise mehrmals am Tag den Großhandel an, um Teile für Aufträge zu besorgen. Dies ist oft unabhängig von planmäßigen Lieferungen des Großhandels an die Betriebe. Die zusätzlichen Fahrten verursachen Umweltbelastungen, Kraftstoffkosten sowie weitere Kosten wie Fahrzeugabschreibungskosten und Personalkosten für den Fahrer. Ebenso verhält es sich mit der Fahrt zu üblichen Einsatzorten der Handwerker. Werden bei der Bewertung von möglichen Betriebsstandorten die Kosten berücksichtigt, die durch wiederkehrende vermeidbare Fahrten entstehen, ergibt sich unter Umständen eine andere Bewertung, als wenn diese vernachlässigt werden.
Bei der Wahl des Betriebsstandortes sollten die Einsatzmöglichkeiten von Fahrrädern bzw. Elektrofahrrädern gleich mitgeprüft werden (z. B. zurückzulegende Entfernungen). Fahrräder und Lastenfahrräder stellen eine Alternative zum Einsatz von Kraftfahrzeugen dar (vgl. Abschnitt 3) und werden in jüngerer Vergangenheit vermehrt in Handwerksbetrieben eingesetzt, insbesondere im städtischen Bereich.
Mobilität von Mitarbeitern
Die Mobilität des Mitarbeiters beginnt mit der Anreise zur Betriebsstätte des Unternehmens oder mit der direkten Anreise zum Kunden bzw. zum Einsatzort. Liegen der Wohnort des Mitarbeiters und die Betriebsstätte bzw. die üblichen Einsatzorte weit auseinander, sind dies ungünstige ökologische Voraussetzungen. Ein Lösungsansatz ist die Schaffung von Anreizen für einen Wohnortwechsel des Mitarbeiters. Beispielsweise könnte der Unternehmer eine Kooperation mit einem Immobilienmakler eingehen und diesen bei Bedarf damit beauftragen, für Mitarbeiter mit weit entferntem Wohnsitz eine attraktive Wohnung oder ein Haus vor Ort zu finden und anzubieten. Selbstverständlich kann und soll niemand zu einem Umzug gezwungen werden. Aber ein entsprechendes Angebot kann durchaus willkommen sein und den nötigen Impuls zu einem Umzug leisten. Die Anreise zum Betrieb wird damit verkürzt, der Mitarbeiter spart Zeit und Geld. Auch der Unternehmer profitiert: Das Risiko von Verspätungen aufgrund von Verkehrsstaus oder winterlichen Wetterlagen sowie das Unfallrisiko werden reduziert. Zudem wird die Bindung des Mitarbeiters an das Unternehmen gesteigert. Eventuell kann der Mitarbeiter nach dem Umzug auch für etwaige Not- und Bereitschaftsdienste eingesetzt werden, für die er vorher nicht in Frage kam. Es ist zu erkennen, dass der Aspekt der Umweltschonung durch den verkürzten Weg zur Arbeit mit weitreichenden Vorteilen für den Betrieb kombiniert werden kann. In vielen großen Konzernen ist eine entsprechende Fürsorge für die Mitarbeiter längst zum Standard geworden. Auch Hilfen bei der Umsiedlung der Familien wie die z. B. Findung eines Kindergartenplatzes zählen dazu. Je nach Einzelfall können Aufwände des Betriebes für entsprechende Maßnahmen steuerlich abgesetzt werden. Eine umfassende Fürsorge ist für kleinere Betriebe ggf. nicht leistbar, aber dennoch kann es lohnend sein, in diese Richtung zu denken.
Neben der Fahrt zwischen dem Wohnort des Mitarbeiters und der Betriebsstätte ist die Organisation der Fahrten zwischen dem Betrieb und den Einsatzorten von Relevanz. Hier können unterschiedliche Möglichkeiten genutzt werden: die Anfahrt der Betriebsstätte mit anschließender Weiterfahrt zum Einsatzort oder die direkte Anfahrt des Einsatzortes mit dem privaten PKW oder einem Firmenfahrzeug. Die Entscheidung, welche der Möglichkeiten besser geeignet ist, muss individuell getroffen werden. Eine direkte Anfahrt des Einsatzortes kann bei der morgendlichen Anreise Kraftstoff und Zeit sparen. Wenn zwei oder mehr Mitarbeiter in einem Team arbeiten und täglich mehrere Einsatzorte anfahren müssen ist es jedoch ungünstig, wenn jeder Mitarbeiter selbst fährt, weil dann mit mehreren Fahrzeugen zu den unterschiedlichen Orten weitergefahren wird. Grundsätzlich kann es ökologisch und auch wirtschaftlich sinnvoll sein, die privaten Fahrzeuge der Mitarbeiter für betriebliche Zwecke mit zu nutzen, sofern die Mitarbeiter damit einverstanden sind. Insgesamt werden dadurch weniger Fahrzeuge benötigt, was zu indirekten Einsparungen von Energie und Ressourcen für deren Produktion führt. Auch die Fixkosten für den Betrieb werden reduziert. Für die Vergütung von Fahrten mit dem privaten PKW existieren allgemeine Regelungen bzw. festgelegte Mindestvergütungen. Gegebenenfalls kann durch den Betrieb ein Anreizsystem geschaffen werden, welches besonders effiziente PKW stärker fördert oder den Mitarbeiter zusätzlich an den Einsparungen des Betriebes beteiligt. Der Unternehmer sollte in jedem Fall die gesetzlichen Bestimmungen einhalten sowie die Versicherungslage prüfen. Beispielsweise kann der Abschluss einer Dienstreise-Kaskoversicherung und weiterer Versicherungen sinnvoll sein, um dienstliche Fahrten mit privaten PKW entsprechend abzusichern. Ist hingegen eine dauerhaft hohe Auslastung der eingesetzten Fahrzeuge von vornherein zu erwarten, kann die Stellung von Dienstwagen für die Mitarbeiter sinnvoll sein, die auch privat genutzt werden dürfen; in diesem Fall können die Mitarbeiter auf private Fahrzeuge verzichten.
Transporte von Werkzeug, Material, und Produkten
Der Transport von Werkzeugen, Material und Produkten betrifft deren Anlieferung vom Großhandel zur Betriebsstätte, den innerbetrieblichen Transport sowie den Weitertransport zum Einsatzort, wo die Gegenstände benötigt werden. Eine vorausschauende Warenlogistik hilft, Transporte und damit verbundene Transportkosten zu reduzieren. Das Ziel sollte es sein, das benötigte Material in der richtigen Menge zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zur Verfügung zu stellen. Mit rechtzeitiger und strukturierter Bestellung, Lagerhaltung, Kommissionierung und Auslieferung können unnötige Wege, Handhabungsvorgänge, Rückfragen und Nachbestellungen vermieden werden. Es lohnt sich, die zugehörigen Prozesse im Betrieb zu hinterfragen. In vielen Fällen sind Abläufe und Zuständigkeiten nicht klar geregelt. In der Folge werden Bestellungen vergessen oder erfolgen zu spät, so dass Mitarbeiter dann selbst zum Großhandel fahren und Material besorgen müssen. Hier können durch eine Optimierung der Organisation wiederum Kraftstoff und Arbeitszeit gespart werden. Eine häufig genutzte Möglichkeit ist des Weiteren, Material direkt zum Einsatzort liefern zu lassen. Dies spart eine zusätzliche Anlieferung und das Ein-/Ausladen im Betrieb.
Ein weiterer Ansatz zur Reduktion der Kraftstoffverbräuche ist die Verringerung des Transportgewichtes. Bereits 100 kg Mehrgewicht bewirken in etwa 0,4 Liter zusätzlichen Kraftstoffverbrauch auf 100 km (der Zusatzverbrauch ist stark fahrzeugabhängig). Viele Fahrzeuge von Handwerksbetrieben sind bis an die Grenze des zulässigen Gesamtgewichtes beladen. Ein großer Teil des Gewichts entfällt auf Werkzeuge und universelle Standardteile, die häufig gebraucht werden. Aber auch Werkzeuge und Teile, die selten bzw. fast nie benötigt werden, finden sich in Fahrzeugen wieder. Hier kann mit einer strukturierten Arbeitsvorbereitung eine Verringerung des Fahrzeuggewichtes bewirkt werden. Eine Möglichkeit ist es, selten benutzte und schwere Werkzeuge in gut beschrifteten Systemkoffern und ein einem geeigneten Regalsystem unmittelbar in der Be- und Entladezone der Fahrzeuge vorzuhalten. So kann eine auftragsbezogene Fahrzeugbeladung mit geringem Aufwand unterstützt werden. Auch unnötige Dachaufbauten und andere Windfänger sollten vom Fahrzeug entfernt werden, wenn sie auf absehbare Zeit nicht benötigt werden. Da für Aufgaben wie das Aufräumen der Betriebsfahrzeuge im Tagesgeschäft häufig die Zeit fehlt, kann es sinnvoll sein, hierfür geeignete Tage auszuwählen und festzulegen, an denen im Betrieb gerade wenig zu tun ist. Eine gelegentliche Kontrolle durch die Betriebsleitung kann zur Verstetigung der Vorgehensweise beitragen.
Selbst wenn sämtliche Werkzeuge und viel Material mitgeführt werden – oftmals ist das passende Teil oder Werkzeug doch nicht dabei. Der Handwerker muss in diesem Fall den Einsatz abbrechen, die Teile besorgen und erneut zum Einsatzort anreisen. Führt ein Vertriebsmitarbeiter im Vorfeld der Auftragsausführung einen Kundenbesuch durch, kann es hilfreich sein, Fotos vom geplanten Einsatzort und der Arbeitsaufgabe zu machen. Moderne Smartphones sind hierzu ideal geeignet. Mit entsprechender Software können die Bilder direkt in die Unternehmenssoftware für die Warenwirtschaft und Auftragsverwaltung gespeichert werden, zum Beispiel unter der Angebots- oder der Auftragsnummer. In diesem Fall können sowohl der Lagerist des Betriebes als auch der eingeplante Monteur bei der Auftragsvorbereitung die Bilder einsehen, die Arbeitsaufgabe durchdenken und alle benötigten Teile ermitteln. Rückfragen zwischen Lagerist und Monteur können direkt erfolgen. Dies spart unnötige Besorgungsfahrten und Mehrfachanreisen zum Einsatzort, des Weiteren trägt das Prinzip zu einer gut organisierten Auftragsabwicklung bei. Auch der Kunde muss im Zweifelsfall einmal weniger zu Hause sein bzw. nach Hause fahren, um den Handwerker zu empfangen.
Grundsätzlich kann festgestellt werden, dass eine gut strukturierte Organisation und Arbeitsweise dazu beiträgt, Verschwendung und Fehler zu vermeiden. Die Qualität der Leistungen des Betriebs kann für den Kunden sichtbar gesteigert werden. Dies wirkt sich nicht nur auf die Umwelt, sondern auch auf die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens stark aus. In vielen Fällen werden Organisationsaufgaben jedoch immer noch als lästiges Übel betrachtet. Die Potentiale von entsprechenden Optimierungen werden daher oft nicht erschlossen.
Übersicht
- Allgemeine Informationen
- Tools zur Erfassung, Berechnung und Bewertung
- Modellbetriebe
- Nützliche Links
Allgemeine Informationen #
Hier finden Sie Informationen zu spezifischen Themen des Bereichs Mobilität.
Online-Seminar: Elektromobilität im Handwerk (MIE)
Infoblatt: Optimaler Reifendruck (MIE)
Infoblatt: Richtige Beladung (MIE)
Infoblatt: Potenzialanalyse Elektromobilität (MIE)
Leitfaden: Betriebliches Mobilitätsmanagement (MIE)
Leitfaden: Betriebliches Mobilitätsmanagement und Elektromobilität (HWK Saarland)
Leitfaden: Betriebliches Mobilitätsmanagement in der betrieblichen Praxis (BGW)
Leitfaden-Wiki: betrieblichen Mobilitätsmanagement (B.A.U.M. Consult)
Effiziente Mobilität Sachsen: Infomaterial zu nachhaltiger Mobilität
Tools zur Erfassung, Berechnung und Bewertung #
Hier finden Sie Hilfmittel zur Datenerfassung und Bewertung der betrieblichen Mobilität. Durch eine gute Datengrundlage lassen sich künftige Entscheidungen besser planen und im nachhinein auf ihre Wirksamkeit bewerten.
Datenerfassungsbogen Mobilität (MIE)
Energiebuch für Handwerksbetriebe (MIE)
Modellbetriebe #
Die Modellbetriebe sind Betriebe, in denen über die Mittelstandsinitiative eine Vor-Ort-Beratung durchgeführt und bereits Maßnahmen zur Verbesserung der betrieblichen Mobilität umgesetzt wurden. Die positiven Beispiele sollen zeigen, dass es sich lohnt, den Mobilitätsbedarf des Betriebs im Blick zu haben, um hier Kosten einzusparen. Die Unternehmen präsentieren sich in Form eines Steckbriefes oder Videos, in dem umgesetzte oder noch geplante Maßnahmen des Betriebes vorgestellt werden:
Kurzvideos (ca. 3 min):
Baubetrieb setzt Elektrofahrzeuge im Unternehmen ein und nutzt eigenen PV-Strom
SHK- & Dachdeckerbetrieb nutzt Elektrofahrzeuge, eigenen PV-Strom und saniert energieeffizient Haus
Steckbriefe:
Heinz Ewald GmbH – 30459 Hannover – Dachdeckerei Meisterbetrieb
Heinz Kopp GmbH & Co. KG – 22305 Hamburg – Dachdecker- & SHK-Betrieb
Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV)
Zum Öffentlichen Personennahverkehr zählt die Mobilität auf Straße, Schiene, Wasser und Luftseilbahn, im Nah- und Regionalverkehr.
Notwendigkeit des ÖPNV für die Wirtschaft
Für Unternehmen und die Wirtschaft hat der ÖPNV eine hohe Relevanz, da Beschäftigte mit Bus und Bahn etc. Arbeitswege, Dienstfahrten- und Reisen im Sinne des Arbeitgebers bestreiten. Vor dem Hintergrund ansteigender Mobilität und Pendlerzahlen, der Verkehrswende und der damit einhergehenden Auslastung der Straßen, bewegen Firmen zum Umdenken und zur Nutzung des ÖPNV. Dies gilt insbesondere für größere Metropolen und Städte, mit hoher Bebauungs- und Besiedelungsdichte. Parkraum ist in Ballungsräumen begrenzt und stellt für Unternehmen hohe Kosten dar, bei gleichzeitiger zunehmender Förderung zur autofreien Mobilität in Städten und Gemeinden.
Darüber hinaus hat sich das Mobilitätsverhalten in den letzten Jahren verändert, so verzeichnen Verkehrsbetriebe steigende Fahrgastzahlen im Bereich des Öffentlichen Nahverkehrs. Umgekehrt verzichten Menschen aus verschiedensten Gründen vermehrt auf ein eigenes Auto, was insbesondere bei jüngeren Generationen und Fachkräften erkennbar ist.
Vorteile des ÖPNV für Unternehmen
Ein gut ausgebautes öffentliches Verkehrsnetz, mit entsprechender Infrastruktur, Anbindung und Taktung des ÖPNV bringt für Betriebe zahlreiche Vorteile:
- Kostenreduzierung: Die Nutzung des ÖPNV für Dienstfahrten- und Reisen reduzieren Kosten für Betriebe, z. B. Wegstreckenentschädigung, Reduzierung des Fuhrparks etc.
- Arbeitsweg: Bei guter Anbindung bringt der ÖPNV durchschnittlich einen zeitlichen Vorteil gegenüber dem Individualverkehr, einschließlich PKW
- Parkraum: Die Parkplatzsuche der Mitarbeiter/innen entfällt. Unternehmen können Ihre Stellplätze reduzieren und Kosten sparen
- Fachkräfte: Unternehmen mit lukrativer ÖPNV-Förderung haben Wettbewerbsvorteile bei der Gewinnung von Fachkräften
- Arbeitsweg: Bei guter Anbindung bringt der ÖPNV durchschnittlich einen zeitlichen Vorteil gegenüber dem Individualverkehr, einschließlich PKW
- Sicherheit: Bus und Bahn gelten als sichere Verkehrsmittel
- Gesundheit: Beschäftigte empfinden das Fahren mit Bus und Bahn oftmals als stressfreier, im Vergleich zum Auto und sind aus diesem Grund zum Teil produktiver
- Umweltverträglichkeit: Der ÖPNV bietet die umweltverträglichste Form der Mobilität, ausgenommen Fahrrad und Fußgänger
- Image: Betriebliche ÖPNV-Förderung trägt zum positiven Firmenimage bei und steigert die Attraktivität des Arbeitgebers
Betriebliche ÖPNV-Förderung
Eine gute und schnelle Erreichbarkeit des Unternehmens mit dem öffentlichen Verkehr ist ein wesentlicher betriebswirtschaftlicher Erfolgsfaktor sowie für Mitarbeitende und Kunden. Unternehmen haben verschiedene Fördermöglichkeiten der ÖPNV-Nutzung.
Informationen zum ÖPNV-Angebot:
- Finanzielle Anreize: Anbieten von finanziellen Anreizen für die Mitarbeitenden bei ÖPNV-Nutzung, z. B. Mobilitätsbonus, Jobticket, anteilige oder vollständige Kostenübernahme bzw. Bereitstellung von Bahncards, Monats- und Jahresfahrkarten für den Dienst- und Geschäftsverkehr, etc.
- Mobile-Office: Ermöglichen von ortsunabhängigen, flexiblen Arbeitsformen und Arbeitszeiten, z. B. Arbeiten im Zug, von unterwegs etc. Bereitstellung entsprechender Arbeitsmittel (Notebook, Smartphone, Software, etc.), Zugriff auf Daten und Unterlagen
Geschäftsreisen
Das Verkehrsmittel
Je nach Reiseziel und der Auswahl an möglichen Verkehrsmitteln, machen vor Fahrtantritt eine Reiseplanung nötig. Bei der Auswahl des Reisemittels fließen Faktoren wie Kosten, Zeit, Image, Reiseroute, Umweltverträglichkeit, Sicherheit, Routine und Gewohnheiten, oder die Vorlieben des Betriebs oder der Mitarbeiter/innen in die Entscheidung ein. Aus unternehmerischer Sicht und im Zuge der Energie- und Verkehrswende sollte idealerweise das zugleich ökologisch-ökonomischste Verkehrsmittel gewählt werden. Für Geschäftsreisen erfüllt diese Kriterien in den meisten Fällen die Bahn.
Bahn
Für Geschäftsreisen schneidet die Bahn als Verkehrsmittel auf Mittel- und Langstrecken ab einer Entfernung von rd. 50 Kilometern vergleichsweise zu Auto und Flugzeug gut ab und ist das mit Abstand umweltverträglichste Verkehrsmittel. Der nächstgelegene Bahnhof ist in der Regel schnell zu erreichen und mit steigender Entfernung zum Reiseziel sowie mit der Häufigkeit der Bahnreisen nimmt die Wirtschaftlichkeit, hinsichtlich Kosten, Reisezeit und Nutzungszeit, für Unternehmen zu. Weiterhin kann die Reisezeit im Zug als Arbeitszeit, einschließlich kostenlosem Internetzugang, genutzt werden. Bereits für wenige Bahnfahrten amortisieren sich Bahncards.
Einen Überblick für Privat- und Geschäftskunden findet sich auf den Websites der Deutschen Bundesbahn:
Informationen zu BahnCard & BahnBonus Programm
Informationen zu BahnCard Business
Fernreisen Bahn
Besonders auf Langstreckendistanzen mit direkten Städteverbindungen ist Bahn bei den meisten Unternehmen für Geschäftsreisen das Mittel der Wahl. Im deutschlandweiten Durchschnitt ist der nächstgelegene Fernbahnhof, mit Zugang zu IC oder ICE-Zügen, vom Dienst- oder Wohnort in rund 30 Minuten erreichbar.
Vor dem Hintergrund steigender Fahrgastzahlen und der Klimadebatte erfährt auch der Nachtzug in diesem Zusammenhang wieder eine höhere Nachfrage. Auf den größten deutschen Bahnlinien ist die Reise in eigenen Schlaf- und Liegewagen möglich. Mit Nachbarstaaten gibt es entsprechende Kooperationen, die Fahrten ins europäische Ausland ermöglichen.
Weitere Informationen zu Nachtzügen bietet folgende Website.
Fernbus
Zunehmend interessant ist für Geschäftsreisen der Fernbus. Dieser hat sich am Markt fest etabliert und kann ein preisgünstiges, praktisches und komfortables Verkehrsmittel darstellen. Mit direkten und eng getaktete Verbindungen zwischen Großstädten bietet dieses Reisemittel eine Alternative zu Auto, Bahn oder Flugzeug. Es existieren vermehrt europaweite Fernbus-Verbindungen, die im Besonderen für Geschäftsreisende in Grenzregionen attraktiv sein können. Zudem gehört die Verfügbarkeit des Internet bzw. WLAN bei den meisten Fernbusanbietern zum Standard, welches das Arbeiten an mobilen Endgeräten während der Reise ermöglicht.
Einen Überblick zu Fernbus- Verbindungen-, Linien-, Preisen- und Anbietern bieten u. a. folgende Websites:
Organisation & Controlling > Einführung & Grundlagen #
Als „Meister ihres Fachs“ sind klassische Handwerksunternehmen häufig mit allen Mitarbeitern – bis hin zu den Geschäftsführern – aktiv ins betriebliche Tagesgeschäft eingebunden, sodass oft wenig Kapazität für organisatorische und betriebswirtschaftliche Aspekte der Unternehmensführung bleibt. Entsprechend erlangen Komponenten wie „Organisation“ und „Controlling“ im hektischen Betriebsalltag allzu häufig nicht die angemessene Bedeutung und unternehmerische Entscheidungen werden nicht zuletzt deswegen „aus dem Bauch heraus“ getroffen statt auf der Grundlage von strukturiert erhobenen Zahlen und Daten aus der Betriebshistorie. Dabei verbergen sich hinter den Begriffen eigentlich „nur“ Grundprinzipien guter Betriebsführung, die tatsächlich auch für kleine Unternehmen von großer Bedeutung sind und für die sich ein entsprechender Zeitaufwand, gerade aus betriebswirtschaftlicher Sicht, praktisch immer lohnt.
So geht es bei Fragen der Organisation um „die Gestaltung des inneren Betriebsgeschehens nach bestimmten Ordnungsprinzipien“[1] – primär soll also im Betrieb eine Aufgabenteilung etabliert werden, die es ermöglicht, die anfallende Arbeit möglichst sinnvoll und effizient zu gestalten bzw. verteilen. Beim Controlling hingegen werden wichtige Kenngrößen und -zahlen aus allen betriebswirtschaftlichen Bereichen ermittelt und überwacht (–> Monitoring). Damit lassen sich einerseits die Ursachen für Defizite herausstellen, andererseits aber auch die Stärken des Betriebes beleuchten – das Controlling bildet so eine zentrale Grundlage für die Bestimmung von Schritten zur effizienteren Umsetzung der betrieblichen Ziele.[2]
Vor dem Hintergrund der Steigerung betrieblicher Energieeffizienz spielen dann insbesondere das Energiecontrolling und Aspekte wie Energiebeschaffung, Lastmanagement sowie das Monitoring eine zentrale Rolle – nicht zu unterschätzen sind dabei aber auch die Punkte Nutzerverhalten und Mitarbeitermotivation. Auf diese Aspekte soll unter dem vorliegenden Querschnittsthema eigegangen werden. Nicht unmittelbar energierelevante Bausteine eines praktikablen und nicht zu umfangreichen Controlling Systems lassen sich hier am Beispiel des Elektrohandwerks nachlesen.
Standardisierte Managementsysteme zur Verbesserung der betrieblichen Organisation und Ressourcennutzung sind in diesem Kontext ebenfalls von grundlegender Bedeutung – aufgrund Ihres Umfangs finden sich Informationen hierzu allerdings im eigenen Querschnittsthema Managementsysteme.[1] = Springer Gabler Verlag (Herausgeber), Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort: Betriebsorganisation
[2] = Handwerkskammer Dresden, Controlling im Wirtschaftsbereich Handwerk (Schriftenreihe Informationen für das Handwerk)
Systeme in Betrieben und Potentiale #
Übersicht
- Grundlegendes
- Energiebeschaffung
- Nutzerverhalten / Mitarbeitermotivation
Grundlegendes #
Wegen der großen Bedeutung der Energiekosten ist es für Betriebe äußerst sinnvoll über eine monatliche Erfassung von Verbräuchen den Einstieg in ein Energiecontrolling vorzubereiten. Dies hilft hohe jährliche Energiekostennachzahlungen zu vermeiden und ermöglicht es ggf. System-Störungen frühzeitig zu erkennen.
Energiecontrolling beginnt in seiner einfachsten Form bei der Archivierung von Energieverbrauchsdaten in Form von Rechnungen an einem zentralen Ort. Die Erfahrung zeigt, dass gerade dies aber bei einer großen Anzahl von Betrieben nicht gegeben ist.
Zielführendes Energiecontrolling beruht auf der Nutzung von Energieeffizienzkennzahlen. Diese werden herangezogen, um die energetische Qualität von Produkten, Bauwerken, Prozessen, Produktionsstätten und Unternehmen zu beschreiben und diese vergleichen zu können. Üblicherweise werden sie errechnet, indem man den Energieverbrauch in einer bestimmten Zeitspanne – üblicherweise den Energieverbrauch eines Jahres – in Bezug zu einer Vergleichsgröße setzt. Für Betriebe sind sowohl technische Indikatoren – wie z.B. der Energieverbrauch pro produzierter Einheit in einer bestimmten Fertigungsstufe oder über den gesamten Produktionsprozess hinweg – relevant, als auch wirtschaftliche Indikatoren, bei denen monetäre Größen in die Berechnung mit einfließen. Zu letzterer Gruppe zählen beispielsweise Kennzahlen, wie die Energiekosten als Anteil der Gesamtkosten oder die kWh Energieeinsatz pro Euro Umsatz. Aber auch andere Kenngrößen, wie der spezifische Energieverbrauch pro Mitarbeiter/In, kommen in Frage (weitere Beispiele).[1]
Solche branchentypische Energieeffizienzkennzahlen dienen den Betrieben zur kontinuierlichen Beobachtung und Kontrolle ihres Energieeinsatzes im Zeitverlauf. Ein Vergleich der Kennzahlen mit dem Branchendurchschnitt erlaubt eine erste Einschätzung der Positionierung des eigenen Betriebes innerhalb der Branche und bietet einen wertvollen Ansatzpunkt, um Gründe für Abweichungen zu analysieren und mögliche Verbesserungsmaßnahmen in Erwägung zu ziehen. Grundlage hierfür ist allerdings ein entsprechendes Monitoring, d.h., eine fortdauernde, systematische Erfassung (Protokollierung) bzw. Überwachung der jeweiligen Kennzahlen und deren Bewertung auf der Basis der eigenen Betriebsziele.
Als Einstieg in ein grundlegendes Energiecontrolling empfehlen wir das für kleine und kleinste Betriebe optimierte E-Tool Webportal, welches die Erfassung der grundlegenden Energiedaten unterstützt (z.B. Stromrechnungen, Gas- und Heizölrechnungen, Tankrechnungen, Lieferverträge, Fahrzeuge, Maschinendaten etc.), umfangreiche Auswertungs- und Darstellungsmöglichkeiten bietet und zudem hilfreiche Zusatzwerkzeuge zur Verfügung stellt (Strom- und Energiesteuerrechner, PV-Berechnungs-Tool, Darstellung von Lastgangprofilen etc.). Sofern darüber hinaus weitergehende Schritte angedacht sind, sollte ggf. über das Hinzuziehen eines professionellen Energieberaters nachgedacht werden (Förderung ist möglich).
Um Energieeffizienzmaßnahmen in einem Unternehmen noch wirkungsvoller umsetzen zu können, ist die Einführung eines etablierten Energiemanagementsystems (z.B. ISO 50001) oder Umweltmanagementsystems (z.B. EMAS – beinhaltet auch eine Energiekomponente) sinnvoll. Dieses kann je nach Betriebsgröße aus recht einfachen Controlling-Maßnahmen bis hin zu komplexen Managementstrukturen bestehen. Weitere Informationen finden sich im Querschnittsthema Managementsysteme.[1] = Energieinstitut der Wirtschaft GmbH: KMU-Initiative zur Energiesteigerung, Begleitstudie: Kennwerte zur Energieeffizienz in KMU, Endbericht, Wien 2010
Energiebeschaffung #
Von Zeit zu Zeit ist eine Überprüfung der bestehenden Lieferbedingungen des bzw. der betrieblich relevanten Energieversorger/s unbedingt empfehlenswert. Dabei sollte auch der Wechsel des Energieträgers nicht außer Acht gelassen werden. Seit der Liberalisierung des Energiemarktes hat sich insbesondere die Anzahl der Strom- und Gas-Anbieter vervielfacht und das Angebot ist heute größer und kostengünstiger als noch vor wenigen Jahren. Für die Abnehmer birgt das preisliche Vorteile.
Dank des Wettbewerbs kann der Kunde durch einen Anbieterwechsel aber nicht nur bares Geld sparen, sondern – beim Wechsel zu einem Ökostrom-Anbieter – auch den betrieblichen CO2-Ausstoß signifikant mindern (bis zu 40% Reduzierung). Dabei ist Ökostrom heute selten teurer als konventioneller.
Egal welche Energieform betrachtet wird: Ein Vergleich lohnt sich – und neben hilfreichen Vergleichsportalen im Internet gibt es auch professionelle Hilfe und Beratungseinrichtungen. Beim Vergleich ist jedoch genau auf die Unterschiede bei den einzelnen Tarifen zu achten und beim Wechsel in einen anderen Tarif sind verschiedene Dinge zu berücksichtigen:
- So sollte die Vertragslaufzeit beispielsweise nicht allzu lang sein und im Idealfall mit einer Preisgarantie einhergehen, deren Laufzeit die des Vertrages nicht unterschreitet.
- Kurze Kündigungsfristen sind von Vorteil.
- Von Tarifen mit Vorauskasse ist stark abzuraten, da der Verbraucher sein Geld nicht wiederbekommt, sollte der Energieversorger Konkurs anmelden.
- Bei einem leistungspreisabhängigen Stromvertrag ist zu empfehlen, eine Analyse des elektrischen Lastganges erstellen zulassen. Diese sollte wiederholt werden, sobald eine Veränderung der Abnahmestruktur zu vermuten ist. Es ist anzustreben, Tages-, Wochen- und gegebenenfalls Monatslastgänge zu erfassen. Aus einer entsprechenden Analyse lassen sich Möglichkeiten zur Vertragsanpassung, Energierationalisierung und Kostensenkungen entnehmen.[1]
Oft bieten Handwerkskammern, Kreishandwerkerschaften und Innungen – übrigens auch gemeinsam mit dem ortansässigen Energieversorger – Sonderkonditionen oder Sammelverträge an. Fragen Sie als Betriebsinhaber hierzu bei der zuständigen Handwerkskammer nach. Darüber hinaus besteht auch die Möglichkeit sich ggf. einer Energieeinkaufsgemeinschaft anzuschließen und so in den Genuss günstigerer Konditionen zu kommen oder mit einem Energiebroker/-makler zu arbeiten.
Ist die bereits angesprochene erste Analyse des Lastgangs erfolgt, bietet es sich an, diese Lasten im Folgenden auch gezielt zu managen. Einfachste Maßnahme im Bereich des Lastmanagements ist das zeitversetzte Einschalten von großen elektrischen Verbrauchern, um übermäßige Leistungsspitzen – beispielsweise zu Beginn der Arbeitszeit – zu vermeiden (Verteilung auf lastschwächere Zeiten). Diese Maßnahme senkt die maximale Leistungsbereitstellung der Energieversorger drastisch, was erhebliche Auswirkungen auf die Energiekosten hat – ggf. kann dies im Betrieb automatisiert erfolgen und so auch unkompliziert überwacht werden.
Ebenso hat der Einsatz von erneuerbaren Energien, beispielsweise von Photovoltaik einen abmildernden Effekt auf die Lastspitzen, da der selbsterzeugte Strom ein Teil des Bedarfs deckt und somit die zu beziehende Leistung aus dem Netz zu reduzieren hilft.
[1] = Deutscher Energievertrieb (www.deutscher-energievertrieb.de/anzahl-von-strom-und-gasanbietern-steigt)
Nutzerverhalten / Mitarbeitermotivation #
Je geringer der Automatisierungs- und Steuerungsgrad der Energieinfrastruktur in den Betrieben ist, desto höher kann der Einfluss des bewussten energiesparenden Handelns jedes Einzelnen im Unternehmen sein. Die Erfahrung hat gezeigt, dass insbesondere in älteren und kleineren Betrieben kaum automatische Regelungen gegeben sind. Hier stellt das Nutzerverhalten einen großen Faktor dar. Es muss für einen sinnvollen Umgang mit Energie ein entsprechendes Bewusstsein bei den Mitarbeitern geschaffen werden. Die gelebte „Energieeffizienz“ ist Teil des Optimierungsprozesses.
Information, Motivation und Schulung der Mitarbeiter haben Einfluss auf das Nutzerverhalten. Es ist wichtig, dass innerhalb und außerhalb des Betriebes deutlich gemacht wird, dass das Unternehmen sich mit den Fragen der effizienten Energienutzung auseinandersetzt und entsprechende Energieeinsparmaßnahmen auch umsetzt. Die Geschäftsleitung sollte hier eine Vorbildfunktion übernehmen. Es gibt viele positive Beispiele, Mitarbeiter in den Prozess der Energieoptimierung einzubeziehen und gleichzeitig deren Motivation wie auch Umsetzungskompetenz zu erhöhen:
- Veranschaulichung der Bedeutung spezifischer Prozesse für die Mitarbeiter
- Transparenz der Energieverbräuche und Kosten gegenüber Mitarbeitern
- Einweisung der Mitarbeiter und Einbeziehung in Optimierungsprozesse
- Umsetzungsmöglichkeiten in die Diskussion in Teamsitzungen einbringen (Erhöhung der Umsetzungsakzeptanz)
- Ggf. erforderliche Schulungsmaßnahmen zur Nutzung neuer Geräte erarbeiten (Erhöhung der Umsetzungskompetenz)
- Stärkung / Unterstützung des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses (Prozessoptimierung statt Suche nach dem Schuldigen)
- Herausfinden von Reibungsverlusten zwischen Prozessschnittstellen (Optimierung des Gesamtsystems statt einzelner Prozesse)
Erwägenswert ist die Einführung von regelmäßig wiederkehrenden Veranstaltungen, die mindestens einmal im Jahr stattfinden sollen, bei der das Thema Energie im Vordergrund steht. Dabei sollte der Austausch von Informationen über jegliche Auffälligkeiten im Bereich Energie innerhalb der Belegschaft und regelmäßig wiederkehrende Verbrauchserfassungen in Form von Messkampagnen forciert werden. Erfolg versprechend ist außerdem die Einführung entsprechender Anreizsysteme, wodurch Mitarbeiter belohnt werden, die Verbesserungsvorschläge zur Steigerung der Energieeffizienz einbringen.[1][1] = Servicestelle der Mittelstandsinitiative Energiewende und Klimaschutz (MIE): Praxisleitfaden „Mitarbeitermotivation für Klimaschutz und Energieeffizienz“
Hilfsmittel & Tools #
Hilfsmittel & Downloads #
- Energiebuch für Handwerksbetriebe
- Praxisleitfaden Mitarbeitermotivation
- Handwerkskammer Dresden: Schriftenreihe-Heft „Controlling im Wirtschaftsbereich Handwerk“
- Energieinstitut der Wirtschaft GmbH: KMU-Initiative zur Energiesteigerung, Begleitstudie: Kennwerte zur Energieeffizienz in KMU, Endbericht, Wien 2010