Ein junger Mann mit Farbe an den Händen benutzt ein Smartphone

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Handwerksvielfalt

Die Transformation hin zu mehr Klimaneutralität ist eine Herkulesaufgabe. Derzeit arbeiten rund 490.000 Handwerksbetriebe mit über 3,1 Millionen Beschäftigten in knapp 30 Gewerken täglich in fast allen Bereichen am Erfolg der Energie-, Wärme- und Mobilitätswende mit. Überall in Deutschland installieren Handwerkerinnen und Handwerker Photovoltaik-Anlagen und Wärmepumpen, dämmen Gebäude oder bauen an der Infrastruktur für die zunehmende E-Mobilität. Das Handwerk bringt mit seiner Präsenz vor Ort und seiner dezentralen Struktur die Transformation in die Fläche. Knapp 30 Gewerke im Handwerk führen besondere klimarelevante Tätigkeiten aus.

Auch im eigenen Handwerksbetrieb bietet die Umsetzung von Energieeffizienz-Maßnahmen der Betriebsinhaberin und dem Betriebsinhaber die Möglichkeit, den Betrieb nachhaltig zu modernisieren und seinen ökologischen Fußabdruck zu minimieren. Ein bewusster Umgang mit Energie, Wärme, Wasser und Kraftstoffen trägt nicht nur zu mehr Umweltfreundlichkeit bei, sondern senkt die Betriebskosten und stärkt die Wettbewerbsfähigkeit des Betriebes.

Am Anfang steht immer die Analyse des eigenen Energieverbrauches, um daraus konkrete Handlungsempfehlungen abzuleiten. Bereits einfache betriebliche Maßnahmen wie der Austausch von ineffizienten Beleuchtungssystemen gegen moderne LED-Lampen bewirken signifikante Einsparungen und steigern die Effizienz im Handwerksbetrieb. Energieeffizienz bedeutet nicht Verzicht, sondern eine intelligente Optimierung. Sie eröffnet neue Chancen, um den eigenen Betrieb auf innovativen Wegen zukunftsfähiger zu gestalten, gleichzeitig Kunden und Mitarbeitende in dieser Transformation mitzunehmen.

Einblick

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FAQ

Praktische Antworten für Ihren Betrieb


In fast allen Branchen kommen sogenannte „Querschnittstechnologien“ zum Einsatz. Beleuchtung, Druckluft, Wärme- und Kälteanlagen sowie Pumpen und Lüftungen können ein erster Ansatzpunkt für Energiespar- und Energieeffizienzmaßnahmen sein, da es in diesen Bereichen bereits sehr viel Erfahrung und effiziente Technik gibt.
Oft sind hier erhebliche Einsparungen realisierbar.

Für Prozesse, bei denen sich der Energieeinsatz nicht weiter verringern werden kann, lassen sich durch Abwärmenutzung
und/oder Wärmerückgewinnung oft erheblich Kosten einsparen. Unterschieden wird dabei zwischen Abwärmenutzung und Wärmerückgewinnung (WRG). Bei anfallender Abwärme, welche im gleichen Prozess genutzt wird, wie z.B. bei Wärmetauschern in Lüftungsanlagen, spricht man von Wärmerückgewinnung. Bei Abwärmeströmen, gleich welcher Art, die in anderen Prozessen genutzt oder an externe Einrichtungen / Abnehmer / Verbraucher weitergegeben werden, spricht man dagegen von Abwärmenutzung (als Kaskadennutzung).
Besonders in Betrieben mit gleichzeitigem Bedarf an Kälte und Wärme (z.B. Kühlhaus und Warmwasser) besteht großes Einsparpotential. Bei Nutzung der Abwärme von Backöfen und Kühlanlagen können durch Systemoptimierung und Abwärmenutzung häufig die komplette Warmwasserversorgung oder die Gebäudeheizung abgedeckt werden.

  • Abwärmenutzung bei Druckluft (z.B. in Kfz-, Tischler- und Metallverarbeitenden Betrieben)
  • Wärmerückgewinnung aus Raum-/Umgebungsluft (in allen Betrieben)
  • Abwärmenutzung Bereich Kälte und/oder Prozesswärme (z.B. in Bäckereien und Fleischereien)

Die Beleuchtung mit Tageslicht ist zwar generell dem künstlichen Licht vorzuziehen, dennoch sind alle Unternehmen darauf angewiesen. Der dafür nötige Strom kostet manche Unternehmen ca. 50% der Stromkosten. Deshalb sollte die künstliche Beleuchtung so effizient wie möglich eingesetzt werden.
Ist die Beleuchtung nicht optimal, kann es leicht zu Ermüdungserscheinungen, zu Arbeitsfehlern oder sogar zu Unfällen führen. Deshalb ist die Beleuchtung am Arbeitsplatz nicht nur in DIN/EN-Normen, sondern auch im Arbeits- und Gesundheitsschutz geregelt. Der Tausch der Beleuchtung rentiert sich oft innerhalb weniger Jahre.

  • Beleuchtung bedarfsorientiert ausrichten und ggf. zonieren sowie getrennt schalten
  • Tageslichtnutzung erhöhen (z. B. Lichtband im Firstbereich, Vergrößerung der Fensterflächen)
  • helligkeitsabhängige Steuerung durch Tageslichtsensoren
  • bedarfsgerechte Schaltung bei wenig genutzten Räumen durch Präsenzmelder
  • regelmäßige Reinigung des gesamten Beleuchtungssystems
  • Wand- und Deckenfarben möglichst hell wählen
  • Umrüstung auf LED-Beleuchtung

Druckluft ist die teuerste Energieform, denn ca. 95% gehen als Abwärme verloren. Trotzdem ist fast jeder produzierende Betrieb im Handwerk auf Druckluftsysteme angewiesen, da Druckluft relativ zuverlässig, betriebssicher und robust ist. Die Anlagen haben in der Regel eine hohe Lebensdauer und sind kostengünstig in der Anschaffung. Diesen Vorteilen steht allerdings auch ein hoher Kostenfaktor im Betrieb gegenüber. Die enrgieaufwändige Herstellung der komprimierten Luft führt dazu, dass mehr als zwei Drittel der Lebenszykluskosten von Druckluftanlagen durch den Energieverbrauch (gegenüber Investitions- und Wartungskosten) entstehen.

  • Kompressor außerhalb der Betriebszeiten abschalten
  • Druckniveau optimieren bzw. an Bedarf anpassen
  • Kompressor und Leitungsnetz regelmäßig auf Dichtigkeit überprüfen und warten
  • Abwärme für Gebäudeheizung und Warmwasseraufbereitung nutzen
  • Kurzes und gerades Leitungsnetz mit verlustarmen Kupplungen nutzen
  • Spiralschläuche und Trommeln vermeiden
  • Druckluftbetriebene Geräte möglichst durch Elektro-geräte ersetzen

Der Wärmebedarf für die Raumwärme ist vom wärmetechnischen Zustand des Gebäudes und der Energieeffizienz der Heizungstechnik abhängig. Die Wärmeverluste des Gebäudes entstehen durch Undichtigkeiten der Gebäudehülle (unkontrollierte Lüftung) und durch Abstrahlung (Transmissionswärmeverluste). Das Einsparpotential und das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Sanierung/Dämmung eines solchen Bauteils sind abhängig vom Ursprungszustand.

  • Dämmung der Gebäudehülle (Außenwand, Dach, Decke über unbeheiztem Keller)
  • Erneuerung von Fenstern, Türen und Toren
  • Einbau von schnell schließenden Außentüren/-toren
  • Beseitigung von Undichtigkeiten (ggf. Blower-Door-Messung)

Ein Großteil der im Betrieb eingesetzten Energie wird für die Bereitstellung von Raumwärme benötigt – diese Wärme sollte daher möglichst effizient generiert und ihr Verlust gering gehalten werden. Die Minimierung von Wärmeverlusten erfolgt insbesondere über die Verbesserung der Gebäudehülle, während die grundlegende Bereitstellung von Wärme über eine Effizienzsteigerung der Heizanlage (Wärmeerzeugung, -verteilung und -übergabe) verbessert werden kann – hier lassen sich hohe Einsparungen realisieren.
Gegebenenfalls sollte auch die kommunale Wärmeplanung berücksichtigt werden.

  • Heizkessel überprüfen (hydraulischer Abgleich, Dimensionierung, Dämmung etc.)
  • Austausch alter Heizkessel gegen moderne Heiztechnik  (Wärmepumpe, ggf. alternative Energieträger wie Pellets, Hackschnitzel)
  • Hochenergieeffiziente Umwälzpumpen einsetzen
  • Anpassung von Temperaturniveau und Betriebszeiten (Sommer- / Winterbetrieb, Wochenend- und Nachtabsenkung)
  • Wartungsintervalle der Heizungsanlage einhalten
  • Getrennte Steuerung und Regelung von Heizkreisläufen für Bereiche mit unterschiedlichen Raumtemperaturen (Büro/Werkstatt)
  • Dämmung der Wärmeverteilungen

Fleischereien, Bäckereien, Konditoreien sowie Hersteller von Speiseeis benötigen Prozesskälte. In der Gastronomie, im Einzel- und Großhandel wird für das Kühlen von Waren in Lagerhäusern sowie zur Lagerung von Halb- und Fertigprodukten in Kühl- oder Gefrierräumen/Truhen, Kälte eingesetzt. In der Regel kommen im Handwerk zur Kälteerzeugung Kompressions-kälteanlagen zum Einsatz. Bei geringem Kältebedarf kann die Nutzung von Absorptionskältetechnik energetisch sinnvoll und wirtschaftlich sein, wenn ausreichend thermische Energie aus Abwärme/Produktionsprozessen, Solarkollektoren oder einem BHKW zur Verfügung steht.

  • Kälteschutzvorhänge für Kühlräume und Kühltheken
  • Auslastung der Kühlgeräte beachten
  • Türen nur kurz öffnen
  • Wartungsintervalle beachten (Reinigung, regelmäßiges Abtauen)
  • Umstellung des Abtauprozesses auf Kalt- oder Heißgasabtauung
  • Abwärmenutzung => Siehe oben

Transporte von Menschen und Material gehören zum Alltag vieler Handwerksbetriebe. Mit einer optimierten betrieblichen Logistik verringert sich die Anzahl benötigter Fahrten und somit werden Kraftstoffverbrauch, CO2-Ausstoß und Kosten nachhaltig reduziert.

  • Reifendruck regelmäßig kontrollieren und einstellen
  • Mitarbeitende zu kraftstoffsparender Fahrweise anleiten und motivieren
  • Routen optimal planen und Fahrzeiten realistisch kalkulieren
  • unnötige Fahrten und Transportaufgaben vermeiden
  • bei Neuanschaffung auf energieeffiziente Antriebe achten (z.B. Elektrofahrzeuge, Gas- oder H2-Antrieb)

Durch eine Reihe von schnell umsetzbaren, organisatorischen Maßnahmen sowie durch die Einführung eines Energiecontrollings, lassen sich langfristig gute Erfolge bei der Reduzierung des Energieeinsatzes, beispielsweise anhand energetischer Kennzahlen, realisieren.

  • Bestimmung eines Energieverantwortlichen
  • Belegschaft zum sparsamen Umgang mit Energie sensibilisieren, motivieren und schulen
  • ggf. erforderliche Schulungsmaßnahmen zur energieoptimierten Nutzung neuer Geräte durchführen
  • Energieberatung durch externen Berater
  • Energieverträge regelmäßig prüfen; ggf. sind Sonderkonditionen über Innungsverbände u. a. möglich
  • Dokumentation und Auswertung des Energieverbrauchs und der Energiekosten zur Kennzahlenermittlung (z.B. mit dem Energiebuch der Mittelstandsinitiative Energiewende und Klimaschutz)
  • Einführung eines Lastmanagements, um Lastspitzen und damit Mehrkosten zu vermeiden

Mit dem E-Tool, einer kostenlos nutzbaren Plattform zur Ermittlung von Energieund Kosteneinspar-potentialen, steht den Betrieben ein umfangreiches aber einfach zu handhabendes Werkzeug zur Verfügung. Nach Eingabe weniger Verbrauchsdaten können Sie ermitteln, wie Ihr Betrieb im Vergleich zu anderen Unternehmen in Ihrem Gewerk im Bereich Energie- und Kosteneffizienz aufgestellt ist.

Probieren Sie es aus!

www.e-tool.de

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