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Tischlerei

Der Energieverbrauch in Tischlereien und Schreinereien variiert deutlich zwischen reinen Montagebetrieben und Produktionsbetrieben, welche auf maschinenintensive Fertigung von Treppen, Fenstern, Türen, Küchen oder Innenausbauteilen mit fertiger Oberfläche spezialisiert sind. 

Erfahrungsgemäß gibt es Energie- und Kosten-Einsparpotenziale bei der Heizung, Späne- und Farbnebel-Absaugung sowie bei Druckluft und Beleuchtung. Durch eine bedarfsgerechte PV-Anlage kann 50% des Stromverbrauches kostengünstig und klimaneutral gedeckt werden. Holzreste aus der Produktion können zu Brennstoff aufbereitet und verkauft werden. Oder sie werden klimaneutral zur Erzeugung von Raum- oder Prozesswärme genutzt. 

Bei Anschaffung neuer Maschinen und Anlagen lohnt sich ein Blick auf energieeffiziente Technik und Verbrauchsmessung, da die Energiekosten über die gesamte Nutzungsdauer den größten Anteil an den Gesamtkosten ausmachen.

Einblick

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FAQ

Tischler und Energie sparen


Grafik zu Stromverbrauch in Tischlereibetrieben
© GICON – Großmann Ingenieur Consult GmbH

Der Energieverbrauch variiert je nach Betriebsstruktur: Montagebetriebe benötigen weniger Energie, während Produktionsbetriebe mit maschinenintensiver Fertigung von Treppen, Fenstern, Türen oder Küchen deutlich mehr Strom verbrauchen.
Besonders die Späneabsaugung verursacht hohe Strom- und Wärmeverbräuche und bietet das größte Einsparpotenzial. Auch bei Beleuchtung, Druckluft und durch eine Photovoltaikanlage lassen sich Kosten und Energie schnell reduzieren.
Viele Tischlereien nutzen zudem Holzreste aus der eigenen Produktion klimaneutral zur Wärmeerzeugung – ein Vorteil, der die Energiekosten senken kann.

In Tischlereien gehen über die Gebäudehülle 47 %, Hallenlüftung 24% und durch Späne- und Farbnebelabsaugung 29% der Wärme verloren. Eine verbesserte Wärmedämmung der Gebäudehülle, der der Einsatz energieeffizienter Fenster, Türen und Hallentore und Wärmerückgewinnung der Absaugung können die Heizkosten deutlich senken. Diese Maßnahmen sind zwar investitionsintensiv, führen jedoch langfristig zu geringeren Betriebskosten und steigern den Wert der Immobilie.

  • Undichtigkeiten beseitigen (z. B. Blower-Door-Test)
  • Fenster, Türen und Tore erneuern
  • Schnelllauf- und selbstschließende Türen einbauen
  • Wärmerückgewinnung bei Absauganlagen nutzen
  • Gebäudehülle dämmen und Bereiche klar trennen
  • Arbeitsbereiche zonieren (z. B. Strahlungsheizung)
  • Heizgebläse durch Dunkelstrahler ersetzen

Viele Tischlereien nutzen Holzreste aus der Produktion – wie Späne oder stückige Holzreste ohne halogenorganische Verbindungen und ohne chemische Holzschutzmittel – zur Wärmeerzeugung. Damit lassen sich die hohen Lüftungsverluste durch Späne- und Farbnebelabsaugung teilweise ausgleichen.

Neben dem Brennstoffverbrauch benötigt jede Heizungsanlage zusätzliche elektrische Energie, z. B. für Zündung, Brennstoffzuführung, Steuerung, Abgasventilator, Umwälzpumpen und Lüfter. Eine effiziente Wärmeerzeugung und -verteilung reduziert sowohl Energiekosten als auch Emissionen.

  • Heizungsanlage überprüfen und hydraulisch abgleichen
  • Abwärme aus Späneabsaugung, Lackieranlage oder Kompressor nutzen
  • Hocheffiziente Umwälzpumpen einsetzen
  • Heizkreise getrennt steuern (z. B. Büro, Werkstatt, Lackierraum, Lager)
  • Wärmeverteilungsleitungen dämmen und Heizkörper freihalten
  • Effiziente Wärmeübergabesysteme einsetzen (z. B. Deckenstrahlplatten)

Die Späneabsaugung verbraucht in Tischlereien einen großen Anteil an Strom und Wärmeenergie, insbesondere in Produktionsbetrieben mit langen Maschinenlaufzeiten. Die abgesaugte Werkstattluft kann nach Reinigung über ausreichend dimensionierte Filterflächen bis zu 100% wieder zurückgeführt werden. Drehzahlgeregelte Ventilatoren passen den Unterdruck bzw. den Luftvolumenstrom an die gleichzeitig laufenden Maschinen bedarfsgerecht an.

  • Mobile Entstauber können direkt im Arbeitsbereich aufgestellt werden. Sie integrieren alle Anforderungen an Energieeffizienz und Gesundheitsschutz
  • kleinere Sammelbehälter können durch eine Brikettpresse erweitert werden
  • Abgesaugte Späne und nachzerkleinerte stückige Holzreste aus der Produktion können volumensparend und als Brennstoff genutzt werden

Bei Druckluftsystemen geht rund 95 % der eingesetzten Energie als Abwärme verloren – Leckagen, unnötig hohe Druckniveaus und fehlende Abschaltungen führen zu erheblichen Verlusten. Eine bedarfsgerechte Steuerung, regelmäßige Wartung und die Nutzung der entstehenden Wärme bieten große Einsparpotenziale.

  • Kompressor außerhalb der Betriebszeiten abschalten
  • Druckniveau bedarfsgerecht einstellen
  • Leitungsnetz und Kupplungen auf Leckagen prüfen
  • Abwärme nutzen
  • Druckluftgeräte durch elektrische Alternativen ersetzen oder bei Neuanschaffung prüfen

Tischlereien, die Treppen, Fenster oder Innenausbau produzieren, verbrauchen bei Lackierarbeiten viel Strom und Wärmeenergie. Die Farbnebelabsaugung entfernt Overspray während des Lackierens und Lösemittel bzw. Wasser beim Trocknen und leitet sie als warme Abluft nach draußen. Für die Lackierung werden Lack, Werkstücke und Lackierraum auf Verarbeitungs-temperatur aufgeheizt. Durch den Einsatz von Wasserlacken ist zusätzliche Prozesswärme nötig, die durch Holzreste aus der Produktion kompensiert werden kann.

  • Zu-/ Abluftanlage nur während des Lackierens nutzen
  • Luftvolumenstrom in der Trocknungs- und chem. Aushärtungsphase reduzieren
  • Prozesstemperatur, Luftvolumenstrom und Laufzeit der Absaugung bedarfsgerecht einstellen
  • Regelmäßige Wartung der Filtermatten und Absaugung, um Druckverluste zu vermeiden
  • Verwendung von polumschaltbaren oder drehzahlgeregelten Motoren

Betriebe mit großen Dachflächen, Parkplätzen oder Fassaden können durch eine bedarfsgerechte Auslegung und intelligente Steuerung bis zu 50 % des erzeugten Stroms selbst nutzen. Bei zusätzlichem Einsatz von E-Fahrzeugen oder Wärmepumpen steigt der Eigenverbrauch weiter. Batteriespeicher und ein gutes Energiemanagement helfen zudem, Lastspitzen zu vermei0den und die Wirtschaftlichkeit zu erhöhen.

  • Dach-, Fassaden- und Parkplatzflächen auf Statik und Eignung prüfen
  • Maximal mögliche Anlagenleistung beim Netzbetreiber erfragen
  • Intelligentes Energiemanagementsystem installieren
  • Batteriespeicher zur Eigenverbrauchsoptimierung und Lastspitzenvermeidung integrieren

Neben der Wartung von E-Fahrzeugen rückt auch die Elektrifizierung des eigenen Fuhrparks in den Fokus, etwa für Hol- und Bringdienste. Eine optimierte Logistik, energieeffiziente Fahrzeuge und eine eigene Ladeinfrastruktur bieten nicht nur ökologische Vorteile, sondern auch wirtschaftliche Einsparpotenziale. Besonders in Verbindung mit Eigenstromerzeugung durch Photovoltaik lassen sich Fahrten klimafreundlich und kosteneffizient gestalten.

  • Reifendruck regelmäßig kontrollieren und spritsparendes Fahrverhalten fördern
  • Routen digital planen, Fahrten bündeln und unnötige Wege vermeiden
  • Auf energieeffiziente oder elektrisch betriebene Fahrzeuge umsteigen
  • Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge auf dem Betriebsgelände installieren

Jährliche Energieverbräuche sollten den Mitarbeitern verständlich vermittelt werden. Potenziale an Energieeffizienz und Erneuerbaren Energien sowie Ressourceneffizienz lassen sich mithilfe einer Energieberatung der Handwerkskammern oder Fachverbände realisieren.

  • Einfaches Energiemanagementsystem einführen (Verbrauchsdaten erfassen und auswerten)
  • Mitarbeitende sensibilisieren
  • Energieberatung durch externe Fachleute nutzen
  • Energieverträge regelmäßig prüfen und optimieren

Ein kontinuierliches Monitoring aller umweltrelevanten Stoffe – wie Betriebsstoffe, Reinigungsmittel und Rest-stoffe – ist nicht nur Grundlage für ressourceneffizientes Arbeiten, sondern auch essenziell für die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben und die Sicherstellung der Arbeitssicherheit. Prinzipiell hilft ein umsichtiger Umgang mit Ressourcen und Ausrüstung, wie im Handwerk traditionell üblich, Kosten und Umwelt zu schonen.

  • „Reparieren statt Ersetzen“ priorisieren, gebrauchte Teile einsetzen, Fahrzeuge systematisch ausschlachten
  • Verbrauch und Art von Betriebsstoffen (Öle, Fette) regelmäßig prüfen, ökologische Alternativen erwägen
  • Umstellung von Lösemittel- auf Wasserlacke
  • Holzreste aus der Produktion thermisch verwerten

Mit dem E-Tool, einer kostenlos nutzbaren Plattform zur Ermittlung von Energieund Kosteneinspar-potentialen, steht den Betrieben ein umfangreiches aber einfach zu handhabendes Werkzeug zur Verfügung. Nach Eingabe weniger Verbrauchsdaten können Sie ermitteln, wie Ihr Betrieb im Vergleich zu anderen Unternehmen in Ihrem Gewerk im Bereich Energie- und Kosteneffizienz aufgestellt ist.

Probieren Sie es aus!

www.e-tool.de

Grafik zu Betriebsvergleich im Tischlerhandwerk
© MIE

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