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Querschnittsthemen / Gebäudehülle / Einführung & Grundlagen

Jeder Energieverlust kostet bares Geld, deshalb sollte die erzeugte Wärme auch möglichst vollständig im Gebäude genutzt werden.

Neben unzureichender Wärmedämmung der Gebäudehülle sind oft überalterte, zu große oder undichte Hallentore Grund für relativ hohe Wärmeverluste und Energiekosten. Dies bedeutet, nicht nur die Dämmung einer Halle zu planen, sondern auch die „Leckagen“ zu berücksichtigen. Denn was nützt eine gute Wärmedämmung, wenn die mit teurer Energie erwärmte Innenluft durch offen stehende Tore oder undichte Stellen in der Gebäudehülle entweichen und ständig kalte Außenluft in das Gebäude einströmen kann?

Neben baulichen/technischen Maßnahmen kann es oft auch sinnvoll sein, das Heiz-und Lüftungskonzept auf die betrieblichen Abläufe anzupassen.


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Energiebilanz Gebäude
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Aufgabe einer Gebäudehülle ist es, im Inneren eine von den klimatischen Einflüssen unabhängige und für den Mitarbeiter akzeptable Umgebung zu schaffen. Gleichzeitig soll sie z.B. für die Nachbarschaft störende Schallemissionen dämpfen, die Einrichtung sichern…., zusammengefasst: die Emissionen und Immissionen zu mindern.

Nicht alle Bereiche in einem Betriebsgebäude müssen die gleiche Temperatur  haben. Während sich z.B. Mitarbeiter mit überwiegend sitzender Tätigkeit in der Regel bei Temperaturen von ca. 21°C wohl fühlen, finden Mitarbeiter bei körperlich anstrengende Arbeiten - womöglich in der Nähe von Schmelzöfen o.Ä. - eine Lufttemperatur von 12-19°C angenehm. Ein Lager muss nicht unbedingt geheizt sein, wenn die Waren darin Frost- oder Hitze-fest sind. Daher bestimmt die Art der Nutzung die Zonen mit unterschiedlichen Temperaturen im Gebäude.


Wärmeleitfähigkeit
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Um eine wärmedämmende Gebäudehülle zu erstellen, müssen die zwei Hauptarten der Wärmeverlustmöglichkeiten berücksichtigt werden, nämlich die Transmissions- und Lüftungswärmeverluste. Die Transmissionswärmeverluste beruhen darauf, dass alle Konstruktions- aber auch die Dämmmaterialien (mit Ausnahme des Vakuums) bei unterschiedlicher Innen- und Außentemperatur den ausgleichenden Wärmestrom zwar dämpfen (⇒Dämmung), nicht aber unterbinden (⇒Isolierung). Maß für den Transmissionswärmeverlust ist der Wärmedurchgangskoeffizient oder U-Wert mit der Maßeinheit Watt pro Quadratmeter und Kelvin [W/(m²·K)].

Die Außenwände stellen in der Regel die größte Fläche der Gebäudehülle mit entsprechend hohem Anteil an Wärmeverlusten durch Transmission dar. Die Dämmung der Außenwände bietet daher ein großes Potenzial in Bezug auf den Gesamtenergiebedarf eines Gebäudes.

Sowohl bei einer Sanierung als auch beim energieeffizienten Neubau ist es wichtig, die thermische Hülle zu definieren. Die dämmende Hülle muss möglichst lückenlos das beheizte Volumen umschließen. Die über die wärmeübertragende Umfassungsfläche gemittelten U-Werte bilden den spezifischen Transmissionsverlust HT´. 


Wandtypen
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Der von der ENEV 2014 geforderte mittlere U-Wert der Wandelemente beträgt bei einem Neubau eines Nichtwohngebäudes maximal 0,28 W/(m²K). Das entspricht grob einem Mauerwerk mit einer ca. 14 cm dicken Dämmebene. Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Fassadendämmung. Welche davon genutzt wird, richtet sich in erster Linie nach dem Wandaufbau des Gebäudes:


  • Monolithisches Mauerwerk – hier hat das Mauerwerk sowohl tragende als auch dämmende Funktion. Die Steine bestehen entweder aus hochporösem Porenbeton oder Ziegel mit hohem Porenanteil und/oder mit Dämmmaterial gefüllten Gitterstrukturen. Problematisch können Details, wie z.B. einbindende/aufliegende Betonteile sein, die den Wandaufbau konstruktionsbedingt verschlanken.

  • Wärmedämm-Verbundsystem – das Dämmmaterial wird direkt von außen auf die Wand aufgebracht und anschließend verputzt. Diese Art der Dämmung, (zumeist mit Polystyrol- oder Mineralwolleplatten) ist geeignet, um Wärmebrücken durch Material-Inhomogenitäten zu überdämmem.

  • Kerndämmung – der Hohlraum einer 2-schaligen Wand wird mit Dämmstoff gefüllt. Nachträglich lässt sich der Luftspalt mit Dämmstoff im Einblasverfahren ausfüllen.

  • Innendämmung – die Dämmung wird auf der Innenseite der Fassade angebracht. Diese Art der zumeist nachträglichen Dämmung ist aus bauphysikalischen Gründen mit Vorsicht zu genießen, da auf der Innenseite einbindende Bauteile (Wände, Decken..) Wärmebrücken darstellen. Außerdem kann die Verlagerung des Taupunktes durch die Dämmung auf die Innenseite des Mauerwerks zu Problemen führen. Die Innendämmung sollte nur dann angewendet werden, wenn eine Außendämmung, z.B. durch Denkmalschutzauflagen, nicht möglich ist.

  • Vorhangfassade – gerade im Gewerbebau wird – auch zur konstruktiven Flexibilität – die tragende und dämmende Ebene der Wand getrennt. Der tragende Teil kann aus einem Stahl-, Beton- oder Holz-Rahmensystem oder einer Mauerwerkswand bestehen. Unabhängig davor wird eine Dämmebene aus Stahlblech-PU-Sandwichelementen oder Dämmstoff-gefüllten Holztafelelementen vorgehängt.



Die Anforderungen an die Außenwand umfasst nicht nur die Optimierung der Dämmwirkung der Wand, sondern auch die Reduzierung der Verluste über Wärmebrücken. Als Wärmebrücken werden örtlich begrenzte Bereiche in der wärmeübertragenden Hülle eines Bauwerks bezeichnet, die eine höhere Wärmestromdichte als die benachbarten ungestörten Bauteile aufweisen. Diese Bereiche sind hinsichtlich der Wärmedämmung eine Schwachstelle in der Konstruktion, da es hier zu erhöhten Wärmeverlusten aus Transmission kommt. Mit zunehmendem Dämmstandard bekommen die Wärmebrücken als wärmetechnische Schwachstelle immer mehr Bedeutung und das nicht nur unter energetischen Aspekten, sondern auch wegen dem unmittelbaren Einfluss auf die hygienischen Bedingungen im Innenraum.

Aufgrund der höheren Wärmestromdichte im Bereich von Wärmebrücken verringern sich die Oberflächentemperaturen des Bauteils auf der Rauminnenseite. Dies hat unterschiedliche Folgen:


  • Die stärkere Abkühlung auf der Raumseite der Konstruktion; dadurch kann es zu Einschränkungen bei der Behaglichkeit kommen, da das Bauteil als kalt empfunden wird. Zusätzlich kann es zu Strahlungsasymmetrien zwischen anderen angrenzenden Bauteilen kommen, die als unbehaglich empfunden werden.

  • Die höhere Wärmestromdichte der Wärmebrücke bedeutet auch höhere energetische Verluste in diesem Bereich.

  • Durch das geringere Temperaturniveau des kalten Bauteils kommt es in der Grenzschicht der Luft zu einer Erhöhung der relativen Luftfeuchte und dem Ausfall von Tauwasser auf dem Bauteil. Ab einer relativen Luftfeuchte von 80% besteht die Gefahr eines Schimmelpilzbefalls. Wärmebrücken führen häufig zu einem hygienischen und ggf. gesundheitlichen Problem.



ungedämmte Fensterbrüstung
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Wärmebrücken lassen sich nach drei üblichen Arten einteilen:


  • materialbedingte Wärmebrücken

  • konstruktionsbedingte Wärmebrücken

  • geometriebedingte Wärmebrücken



An Gebäuden finden sich Wärmebrücken am häufigsten an folgenden Bauteilen:


  • Innenwandanschlüsse an Außenwand, Boden oder Decke

  • Bodenplatte an Außenwand und Fundamenten

  • Deckenplatten in Außenwände einbindend

  • Innen- und Außenecken von Fassaden

  • Anschlüsse auskragender Bauteile, wie z. B. Balkone oder Vordächer

  • Eckausbildung von Außenwand an Decke und Dach

  • Durchdringungspunkte von Versorgungsleitungen



Arten von Wärmebrücken
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Dach

Das Dach ist den Witterungseinflüssen und Temperaturschwankungen am stärksten ausgesetzt. Da die Raumluft in der Regel unter der Decke am wärmsten ist, ist das Temperaturgefälle im Dach besonders hoch. Dadurch wird hier eine besonders gute Wärmedämmung benötigt. Dächer von Gewerbehallen sind meistens Leichtbaukonstruktionen, wie z,B. Trapezblech mit Dämmschicht und Eindichtung oder Sparrendächer mit Zwischen- oder Aufsparrendämmung. Wegen des hohen Temperaturgefälles und der Art der Konstruktion ist die Luftdichtung auf der Dach-Decken-Innenseite besonders wichtig: Gelangt die feuchte und warme Luft in die Dämmebene und kühlt sich dort ab, fällt bei Erreichen des Taupunktes Wasser aus und durchfeuchtet die Dämmung. Diese verliert dadurch einen großen Teil der Dämmwirkung. Insbesondere bei Holz kommt es schnell zu Schäden an der Tragkonstruktion.

Da die wasserführende, obere Schicht des Daches (Folie, Bitumenbahn, Blech oder Dachpfannen) in der Regel hinterlüftet ist, kann bei Undichtigkeiten der inneren Ebene zudem viel Wärme durch Diffusion entweichen.

Im Sommer ist das Dach der Sonnenstrahlung am intensivsten ausgesetzt und heizt sich am stärksten auf. Um zu vermeiden, dass sich die darunter befindlichen Räume überhitzen und die Wärme energieintensiv weggekühlt werden muß, gibt es verschiedene Strategien:


  • das Dach wird mit Materialien gedämmt, die die eingestrahlte Wärme mittelfristig speichern können. Hierfür geeignet sind z.B. Holzfaser-Dämmplatten, die bei einer hohen Rohdichte und spezifische Wärmekapazität  die eingestrahlte Wärme bis zu 12 Std. speichern und erst dann wieder abgeben (Phasenverschiebung).

  • die oberste Schicht des Daches oder auch der Wand wird sehr gut hinterlüftet: sobald die Luft zwischen Deckschicht und Dämmung warm genug ist, steigt sie auf und verlässt die Konstruktion durch dafür vorgesehene Öffnungen (Hutzen oder Lüfterpfannen). Durch den Auftrieb entsteht im Dach ein Unterdruck und kühlere Außenluft kann nachströmen. Nicht so gut geeignet ist diese Strategie bei Flachdächern, da sich in diesen ein Kamineffekt nur schlecht entwickelt.




Arten der Verglasung
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Lichtdurchlässige Bauteile

Fenster und Fenstersysteme sind auch im Gewerbebau Gebäudekomponente mit vielfältigen Anforderungen an Funktion und Gestaltung: Im Winter wenig Raumwärme raus- aber viel Solarwärme reinlassen, im Sommer den solaren Wärmeeintrag begrenzen und immer möglichst viel Tageslicht ins Innere leiten.

Bei der Technologie der Verglasung haben sich in den letzten Jahren die größten Veränderungen ergeben. Durch die Entwicklung der Mehrfachverglasungen, der Beschichtung der Gläser mit metallfolien/-bedampfungen und der Füllung der Zwischenräume mit Edelgasen hat sich die Wärmedurchlässigkeit der Verglasung um einen Faktor 10 verbessert. Das ist nicht nur für den Heizwärmebedarf wichtig, sondern auch für den Raumkomfort.

Neben dem winterlichen Wärmeschutz, der die Kosten für die Beheizung bestimmt, kann auch der sommerliche Wärmeschutz zur Vermeidung von Kosten für die Kühlung / Klimatisierung wichtig sein. Hierbei haben die lichtdurchlässigen Bauteile die größte Relevanz.

Grundsätzich gibt es bei der Verglasung von Räumen den Zielkonflikt, dass zwar möglichst viel Tageslicht gewünscht oder gefordert ist (min. 20%), Fenster und Lichtbänder aber in Punkto Wärmedämmeigenschaften (bis auf die 3-fach Verglasung) immer schlechter sind als opake Wände. Aus Sicht des Heizenergiebedarfs sollten im Winter die Fenster also möglichst klein und aus Sicht des Stromverbrauchs für Beleuchtung möglichst groß sein. Im Sommer sind die transluzenten Bauteile problematisch, da bei fehlendem oder falschem Sonnenschutz eine Überhitzung der Räume droht, die nur durch zusätzliche Lüftung oder Klimatisierung reduziert werden kann. Ist die kurzwellige Sonnenstrahlung erst einmal durch die Verglasung in den Raum gelangt und trifft auf Masse (z.B. Boden), wird ein Teil der Strahlung reflektiert, der andere absorbiert. Letzterer Anteil erzeugt (langwellige) Wärme, die in den Raum reemittiert wird und zur Aufheizung führt. 

Eine Strategie zur Vermeidung einer Überhitzung durch die warme Außenluft kann z.B. sein, nachts die kühle Luft zum Herunterkühlen zu nutzen und die (Fenster-)Lüftung über Tag zu minimieren. Grenzen sind durch die – allerdings seltenen - tropischen Nächte gesetzt.

Ein Überhitzen über die transluzenten Bauteile wie Fenster, Lichtbänder… kann nur durch einen effektiven Sonnenschutz erfolgen. Dieser muss außerhalb der Fenster angebracht sein, denn - ist die kurzwellige Strahlung erst einmal im Gebäudeinneren - wandelt sich die Strahlung in langwellige Wärmestrahlung. Eine totale Verdunkelung ist zumeist nicht sinnvoll, da ansonsten Strom für die Beleuchtung eingesetzt werden müsste. Ein guter Kompromiss sind bei vertikalen Fensterflächen außen liegende Lamellenstores, die in ihrem oberen Teil Lichtlenk-Lamellen haben und einen Teil der Strahlung an die Decke reflektieren.

solare Wärmeentwicklung
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Schaufenster im Winter
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Schaufenster im Sommer
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innenliegender Sonnenschutz
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Schaufenster mit Vordach
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aussenliegendem Sonnenschutz
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Lichtlenk-Lamellen
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Halle mit Lichtbändern
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Halle mit Sheddach
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Bei Oberlichtern oder Lichtkuppeln im Dach besteht das Problem, dass eine wetterfeste Verschattung auf der Außenseite selten möglich ist. Hier ist oft nur ein Blendschutz auf der Innenseite möglich.

Bei einem sägezahnförmigen Sheddach ist zumeist die Licht-undurchlässige Seite nach Süden gewandt und die transluzente Fläche nach Norden. So wird erreicht, dass - wie beim Atellierfenster - das ganze Jahr über das blendfreie, diffuse Nordlicht einfällt. Mit der Konstruktion wird im Sommer auch ein angenehmes Raumklima ohne Überhitzungen gewährleistet.

Tore

In fast allen Gewerbebauten sind z.T. sehr großflächige Tore zu finden. Diese sind für die Zulieferung und den Abtransport von Gütern erforderlich. Während im Sommer über die offenen Tore Frischluft in die Halle kommen kann, sollten die Tore natürlich im Winter möglichst immer geschlossen sein. Ansonsten ist dem Wärmeverlust "Tür und Tor" geöffnet.

Betrachtet man die auf dem Markt gängigen Torsysteme (Sektionaltor, Folien-Rolltor, Lamellen-Rolltor, Schnelllaufspiraltor), gibt es hier große Unterschiede hinsichtlich Aufbau, Materialien und Dämmung, Öffnungs- und Schließgeschwindigkeiten und Steuerungstechniken. Für eine Bewertung der Tore sind neben dem U-Wert der Tore, die Luftdichtigkeit, die Torfläche, die Öffnungszeit und-geschwindigkeit und – nicht zu vergessen – die Temperatur in der Halle wichtig.

Es hat sich gezeigt[1] , dass öffnungsbedingte Lüftungswärmeverlust bereits bei einer 3-minütigen Öffnungsdauer pro Stunde während der Nutzungszeit den Wärmeverlust durch Transmission und Leckagen des Tores übersteigt. Bei gleichzeitigem Öffnen von gegenüberliegenden Toren kann sich der torbedingte Mehrbedarf an Wärme nochmals um mehr als 10 % im Vergleich zu einem hintereinander erfolgten Öffnen zweier Tore erhöhen.

Grundsätzlich sollte bei geringen Öffnungszyklen aus energetischer Sicht auf eine hohe Dämmung und Dichtheit des geschlossenen Tores geachtet werden. Bei häufigen Öffnungszyklen ist vorrangig die Öffnungs- und Schließgeschwindigkeit des Tores relevant. Dämmung und Dichtheit des Tores haben einen untergeordneten Einfluss. In diesem Fall sollte darauf geachtet werden, dass die Raumluft-Temperatur in der Nähe der Tore möglichst gering ist. Das kann z.B. dadurch erreicht werden, dass für die Beheizung überwiegend über Strahlungsheizung (Hell-, Dunkelstrahler oder Deckenstrahlplatten) eingesetzt wird.

Die Zahl der Toröffnungen lässt sich in der Regel auch senken, wenn Innen- und Außenlager so organisiert sind, dass alle häufig benötigten Teile und die Halbfertigprodukte in der Halle gelagert werden.

Zur Steigerung der thermischen Behaglichkeit durch Vermeidung von Zugluft und zur Minimierung des Luftwechsels zwischen Innen und Außen können Luftschleier-oder Luftwandanlagen eingesetzt werden.

Besonders wichtig ist es aber, dass man es den Mitarbeitern leicht macht, die Tore zu schließen oder automatisiert mittels moderner sensorischer Systeme den Aufwand vermindert.

Um die Zahl der Toröffungen zu begrenzen, ist es in der Regel sinnvoll, Schlupf oder Nebentüren für die Personen einzubauen, die - ohne Fahrzeug - das Gebäude verlassen oder betreten. Mechanisch stabiler und besser zu dämmen sind dabei die Nebentüren.

IR-Bild Sektionaltor
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[1] = Unterschiedliche Torsysteme in Industriegebäuden unter Berücksichtigung energetischer, bauklimatischer und wirtschaftlicher Aspekte – Endbericht, (2013),Technische Universität München, Lehrstuhl für Bauklimatik und Haustechnik, Prof. Dr.-Ing. Dr. h.c. Gerhard Hausladen

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Entwicklung ENEV-Anforderungen
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Energieeinsparverordnung – EnEV

Neben dem allgemeinen Bauordnungsrecht, das in der Regel Länderrecht ist, befasst sich die "Verordnung über energiesparenden Wärmeschutz und energiesparende Anlagentechnik bei Gebäuden" -ENEV (ENEV 2014, Stand Oktober 2015) als Bundesrechtsverordnung mit der Energieeffizienz von Gebäuden. Die ENEV ist ein wichtiges Instrument der deutschen Energie- und Klimaschutzpolitik und soll mit seinen Forderungen dazu beitragen, die energiepolitischen Ziele der Bundesregierung umzusetzen. Ziel ist insbesondere ein nahezu klimaneutraler Gebäudebestand bis zum Jahr 2050.

Vorgänger der ENEV ist die nach der Ölkriese 1977 eingeführte Wärmeschutzverordnung (WSchV), die mit der ersten Fassung der ENEV 2002 mit der Heizungsanlagenverordnung (HeizAnlV) zusammengefasst wurde. In den Novellen 2004, 2007, 2009 und 2014 wurden die Anforderungen an eine energieeffizientere Gebäudehülle und Anlagentechnik sukzessive verschärft.

Sie gilt für Wohngebäude und Nichtwohngebäude sowohl beim Neubau wie auch beim Bestandsgebäude. Anforderungen der ENEV beziehen sich auf den Mindestdämmstandard, den Primärenergiebedarf, den sommerlichen Wärmeschutz und die Luftdichtheit der Gebäude.

Bei den Nichtwohngebäuden werden entsprechend der Beheizung folgende Fälle unterschieden und jeweils unterschiedliche Anforderungen in puncto Wärmeschutz gestellt:


  1. Gebäude(-teile) mit Raum-Solltemperaturen im Heizfall ≥ 19 °C (Büros, Aufenthaltsräume ...)

  2. Gebäude(-teile) mit Raum-Solltemperaturen im Heizfall von 12 bis < 19 °C (Werkstätten, Produktionshallen ...)

  3. handwerkliche, landwirtschaftliche, gewerbliche und industrielle Betriebsgebäude, die nach ihrer Zweckbestimmung auf eine Innentemperatur von weniger als 12 Grad Celsius oder jährlich weniger als vier Monate beheizt sowie jährlich weniger als zwei Monate gekühlt werden




Neubau NWG, ENEV Anlage 2
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Nachstehend finden sie Auszüge aus den Inhalten der wichtigsten Paragraphen und Anlagen der EnEV.

Abschnitt 2

Zu errichtende Gebäude

§ 4 Anforderungen an Nichtwohngebäude (Auszug)

Zu errichtende Nichtwohngebäude sind so auszuführen, dass der Jahres-Primärenergiebedarf für Heizung, Warmwasserbereitung, Lüftung, Kühlung und eingebaute Beleuchtung den Wert des Jahres-Primärenergiebedarfs eines Referenzgebäudes gleicher Geometrie, Nettogrundfläche, Ausrichtung und Nutzung einschließlich der Anordnung der Nutzungseinheiten mit der in Anlage 2 Tabelle 1 angegebenen technischen Referenzausführung nicht überschreitet. Zu errichtende Nichtwohngebäude sind so auszuführen, dass die Höchstwerte der mittleren Wärmedurchgangskoeffizienten der wärmeübertragenden Umfassungsfläche nach Anlage 2 Tabelle 2 nicht überschritten werden.

Für das zu errichtende Nichtwohngebäude und das Referenzgebäude ist der Jahres-Primärenergiebedarf nach einem der in Anlage 2 Nummer 2 oder 3 genannten Verfahren zu berechnen. Das zu errichtende Nichtwohngebäude und das Referenzgebäude sind mit demselben Verfahren zu berechnen.

Zu errichtende Nichtwohngebäude sind so auszuführen, dass die Anforderungen an den sommerlichen Wärmeschutz nach Anlage 2 Nummer 4 eingehalten werden.

§ 8 Anforderungen an kleine Gebäude und Gebäude aus Raumzellen

Werden bei zu errichtenden kleinen Gebäuden die in Anlage 3 genannten Werte der Wärmedurchgangskoeffizienten der Außenbauteile eingehalten, gelten die übrigen Anforderungen dieses Abschnitts als erfüllt. Satz 1 ist auf Gebäude entsprechend anzuwenden, die für eine Nutzungsdauer von höchstens fünf Jahren bestimmt und aus Raumzellen von jeweils bis zu 50 Quadratmetern Nutzfläche zusammengesetzt sind.

Wichtig sowohl bei Neubau als auch bei der Sanierung oberhalb der Bagatellgrenze (z.B. 10% der Wandflächen; 10% der Fenster) sind die Höchstwerte des Jahres-Primärenergiebedarfs. Dieser richtet sich nach ENEV Anlage 2 (zu den §§ 4 und 9) "Anforderungen an Nichtwohngebäude" bei einem zu errichtenden Nichtwohngebäude.

1.1.1 ... auf die Nettogrundfläche bezogene, nach dem in Nr. 2 oder 3 angegebe-nen Verfahren berechnete Jahres-Primärenergiebedarf eines Referenzgebäudes gleicher Geometrie, Nettogrundfläche, Ausrichtung und Nutzung wie das zu errichtende Nichtwohngebäude, das hinsichtlich seiner Ausführung den Vorgaben der Tabelle 1 entspricht. Die Unterteilung hinsichtlich der Nutzung sowie der verwendeten Berechnungsverfahren und Randbedingungen muss beim Referenzgebäude mit der des zu errichtenden Gebäudes übereinstimmen; bei der Unterteilung hinsichtlich der anlagen-technischen Ausstattung und der Tageslichtversorgung sind Unterschiede zulässig, die durch die technische Ausführung des zu errichtenden Gebäudes bedingt sind.


Sanierung NWG Anlage 2
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Abschnitt 3

Bestehende Gebäude und Anlagen

§ 9 Änderung, Erweiterung und Ausbau von Gebäuden (Auszug)

Soweit bei beheizten oder gekühlten Räumen von Gebäuden Änderungen im Sinne der Anlage 3 Nummer 1 bis 6 ausgeführt werden, sind die Änderungen so auszuführen, dass die Wärmedurchgangskoeffizienten der betroffenen Flächen die für solche Außenbauteile in Anlage 3 festgelegten Höchstwerte der Wärmedurchgangskoeffizienten nicht überschreiten.

Die Anforderungen des Satzes 1 gelten als erfüllt, wenn geänderte Nichtwohngebäude insgesamt den Jahres-Primärenergiebedarf des Referenzgebäudes nach § 4 Absatz 1 und die Höchstwerte der mittleren Wärmedurchgangs-Koeffizienten der wärmeübertragenden Umfassungsfläche (opake Bauteile, Transparente Außenbauteile, Vorhangfassaden, Glasdächer, Lichtbänder, Lichtkuppeln) um nicht mehr als 40 vom Hundert überschreiten (siehe Anlage 2 Tabelle 2 =>Höchstwerte der Wärmedurchgangskoeffizienten der wärmeübertragenden Umfassungsfläche von Nichtwohngebäuden)


Nachrüstverpflichtung NWG
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§ 10 Nachrüstung bei Anlagen und Gebäuden (Auszug)

(3) Eigentümer von Wohngebäuden sowie von Nichtwohngebäuden, die nach ihrer Zweckbestimmung jährlich mindestens vier Monate und auf Innentemperaturen von mindestens 19 Grad Celsius beheizt werden, müssen dafür sorgen, dass zugängliche Decken beheizter Räume zum unbeheizten Dachraum (oberste Geschossdecken), die nicht die Anforderungen an den Mindestwärmeschutz nach DIN 4108-2: 2013-02 erfüllen, nach dem 31. Dezember 2015 so gedämmt sind, dass der Wärmedurchgangskoeffizient der obersten Geschossdecke 0,24 Watt/(m2·K) nicht überschreitet. Die Pflicht (Satz 1) gilt als erfüllt, wenn anstelle der obersten Geschossdecke das darüber liegende Dach entsprechend gedämmt ist oder den Anforderungen an den Mindestwärmeschutz nach DIN 4108-2 : 2013-02 genügt. Bei Maßnahmen zur Dämmung nach den Sätzen 1 und 2 (Fenster, Fenstertüren, Dachflächenfenster und Glasdächer) in Deckenzwischenräumen oder Sparrenzwischenräumen ist Anlage 3 Nummer 4 Satz 4 und 6 entsprechend anzuwenden.

(5) Die Absätze 2 bis 4 sind nicht anzuwenden, soweit die für die Nachrüstung erforderlichen Aufwendungen durch die eintretenden Einsparungen nicht innerhalb angemessener Frist erwirtschaftet werden können. Die Anforderungen gelten nur, wenn die Fläche der geänderten Bauteile mehr als 10% der gesamten jeweiligen Bauteilfläche eines Gebäudes betreffen. Die einzuhaltenden Werte für Außenbauteile sind in der Anlage 3, Tabelle 1 der EnEV aufgeführt (Anforderungen an Baubestand). 

Wärmeschutz

Bauteile, die unter Einhaltung energiesparrechtlicher Vorschriften nach dem 31. Dezember 1983 errichtet oder erneuert wurden, sind von den Anforderungen ausgenommen. Wird der Wärmeschutz als Zwischensparren-dämmung ausgeführt und ist die Dämmschichtdicke wegen einer innenseitigen Bekleidung oder der Sparrenhöhe begrenzt, so gilt die Anforderung als erfüllt, wenn die nach anerkannten Regeln der Technik höchstmögliche Dämmschichtdicke (bei einem Bemessungswert der Wärmeleitfähigkeit λ = 0,035 W/mK) eingebaut wird. Werden Dämmmaterialien in Hohlräume eingeblasen oder Dämmungen aus nachwachsenden Rohstoffen verwendet, ist ein Bemessungswert der Wärmeleitfähigkeit von λ = 0,045 W/mK einzuhalten.

Sommerlicher Wärmeschutz

Der Nachweis des sommerlichen Wärmeschutzes ist seit der EnEV 2009 fester Bestandteil des Nachweisverfahrens. In der Anlage 1 Absatz 3 (Wohngebäude) wird als Nachweisverfahren das Verfahren nach DIN 4108-2 Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden festgelegt, dies gilt entsprechend für Nichtwohngebäude.

Luftdichtheit und Luftqualität

Die EnEV fodert in §6 die Luftdichtheit der Gebäudehülle nach den anerkannten Regeln der Technik. Gleichzeitig wird die Einhaltung eines gesunden Mindestluftwechsel festgeschrieben. Da die unkontrollierte Fugenlüftung ausgeschlossen ist, gilt hier die DIN 1946-6 Raumlufttechnik - Teil 6: Lüftung von Wohnungen. Hier wird festgelegt, dass die Erstellung eines Lüftungskonzeptes für Neubauten erforderlich ist. Gleiches gilt für die Sanierung von mehr als 1/3 der Dachfläche.

Energieausweis für Nichtwohngebäude

Wie auch bei Wohngebäuden muß für Nichtwohngebäude bei Verkauf, Vermietung oder Verpachtung ein Energieausweis vorgelegt werden. Der wird bei Neubauten in der Regel direkt vom ausführenden Architekten oder Ingenieurbüro erstellt. Für die Erstellung eines Energieausweises bei Bestandsgebäuden ist ein zertifizierter Experte mit berufsqualifizierendem Hochschulabschluss, Berufserfahrung und Weiterbildung oder ein zugelassener Sachverständiger gefordert.

Bedarfsorientierte Energieausweise für Nichtwohngebäude müssen gemäß DIN 18599 erstellt werden. Die Berechnungen erlauben die Beurteilung aller Energiemengen, die zur bestimmungsmäßigen Heizung, Kühlung, Warmwasserbereitung, raumlufttechnischen Konditionierung und Beleuchtung von Gebäuden notwendig sind. Dabei berücksichtigt die Norm neben der Zonierung des Gebäudes (Büro, Produktion, Lager…) auch die gegenseitige Beeinflussung von Energieströmen aus Gebäude- und Anlagentechnik.

Die DIN 18599 besteht aus 11 Teilen:

Teil 1: Allgemeine Bilanzierungsverfahren, Begriffe, Zonierung und Bewertung der Energieträger

Teil 2: Nutzenergiebedarf für Heizen und Kühlen von Gebäudezonen

Teil 3: Nutzenergiebedarf für die energetische Luftaufbereitung

Teil 4: Nutz- und Endenergiebedarf für Beleuchtung

Teil 5: Endenergiebedarf von Heizsystemen

Teil 6: Endenergiebedarf von Lüftungsanlagen, Luftheizungsanlagen und Kühlsystemen für den Wohnungsbau

Teil 7: Endenergiebedarf von Raumlufttechnik- und Klimakältesystemen für den Nichtwohnungsbau

Teil 8: Nutz- und Endenergiebedarf von Warmwasserbereitungsanlagen

Teil 9: End- und Primärenergiebedarf von stromproduzierenden Anlagen

Teil 10: Nutzungsrandbedingungen, Klimadaten

Teil 11: Gebäudeautomation

Energieausweis f. NWG
Copyright: Bundesregierung
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Energieausweis f. NWG
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Erneuerbare Energien Wärmegesetz

Im Erneuerbare Energien Wärmegesetz (EEWärmeG) wird der Einsatz erneuerbarer Energien im Neubau und auch bei Nichtwohngebäuden verbindlich vorgeschrieben. Ein Teil des Wärmeenergiebedarfs soll dabei aus Erneuerbaren Energien gedeckt werden. Als Wärmeenergiebedarf gilt bei Nichtwohngebäuden der Energiebedarf für Heizung und Warmwasserbereitung sowie der Kühlbedarf.

Eine Verpflichtung zum Einsatz Erneuerbarer Energien in bestehenden Gebäuden oder bei Sanierungen ist durch das EEWärmeG nicht vorgeschrieben!

Alternative kann z.B. die energetische Qualität des Gebäudes um 15 % gegenüber EnEV-Standard verbessert werden oder die Versorgung mit Abwärme oder Wärme aus Kraft-Wärme-Kopplung zu mindestens 50 % gedeckt oder die Versorgung über Nah-, bzw. Fernwärme, wenn die Wärme zu einem wesentlichen Anteil aus Erneuerbaren Energien, Abwärme oder KWK- Anlagen besteht.

Arbeitsschutzrichtlinie ASR3.5

Grundsätzlich sind auch die Vorgaben des Arbeitsschutzes zu beachten (siehe Arbeitsstättenrichtline ASR 3.5 ). Wesentliche Punkte darin sind:

(1) Der Arbeitgeber hat bereits beim Einrichten der Arbeitsstätte darauf zu achten, dass die baulichen Voraussetzungen an den sommerlichen Wärmeschutz nach den anerkannten Regeln der Technik (nach geltendem Baurecht) gegeben sind.

(2) Eine gesundheitlich zuträgliche Raumtemperatur liegt vor, wenn die Wärmebilanz (Wärmezufuhr, Wärmeerzeugung und Wärmeabgabe) des menschlichen Körpers ausgeglichen ist.

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