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Gewerke / Tischler / Einführung

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Gewerke / Tischler / Einführung

Zahlen, Daten, Fakten

Tischler/in ist ein anerkannter Ausbildungsberuf nach der Handwerksordnung (HwO).

Einen Unterschied zwischen Tischler und Schreiner gibt es grundsätzlich nicht. Das Berufsfeld ist identisch. Die offizielle Berufsbezeichnung gemäß der Handwerksordnung lautet allerdings Tischler. Im Süden Deutschlands ist jedoch eher der Begriff Schreiner gebräuchlich. Eine genaue regionale Abgrenzung lässt sich kaum ziehen. Außerhalb Deutschlands gilt: Schweiz - Schreiner, Österreich - Tischler.

Ca. 4 % der Handwerksbetriebe in der Bundesrepublik Deutschland arbeiten im Holzgewerbe. Das Schreinerhandwerk verarbeitet in erster Linie den nachhaltigen Werkstoff Holz. Längst sind weitere Werkstoffe hinzugekommen: Vielfältige Oberflächen aus Glas, Kunststoff, Edelstahl oder Aluminium sind heute selbstverständlicher Bestandteil individuell geplanter Einrichtungen. Bei seiner Bearbeitung kann der Tischler bzw. Schreiner kreative Gestaltung mit handwerklicher Fertigkeit kombinieren.

Die Leistungspalette des Tischlerhandwerks reicht von Möbelherstellung und Innenausbau, Sonderanfertigungen, Laden- und Messebau, über Renovierung und Modernisierung, allgemeine Montagetätigkeiten bis hin zum Bau von Fenstern, Türen, Treppen und Wintergärten. Ein weiteres Fachgebiet ist die Restaurierung.

Im Laufe der Zeit zeigt sich auch in diesem Gewerk der Strukturwandel. Kleine Tischler- und Schreinereien geraten zunehmend durch die wachsende Konkurrenz mit Industrie- und Montagebetrieben unter Druck. Die Branche reagiert darauf mit einem intensiven Konzentrations- und Spezialisierungsprozess. „Besonders Betriebe der Größenordnungen von 10 bis 20 Beschäftigten und solche mit über 20 Mitarbeitern bauen ihre Marktstellung weiter aus. So erwirtschaften die Mittelständler über 65 Prozent der Branchenumsätze. Eine Verlangsamung der Entwicklung ist nicht abzusehen.“[1]


Betriebsstatistik Tischler
Copyright: Handwerkskammer Koblenz


Typische Prozesse und Abläufe

Der grundlegende Produktionsprozess in der Tischlerei besteht aus der Herstellung und Reparatur von Holzprodukten wie Möbel, Fenster, Türen, Treppen und Einbauteile.

Zur Grundausstattung einer Tischlerei gehören, unabhängig von der Betriebsgröße und dem Dienstleistungsspektrum folgende Standardmaschinen: Bandsäge, Kreissäge, Abrichthobelmaschine, Dickenhobelmaschine, Tischfräse, Kettenfräse, Langlochbohrmaschine, Langbandschleifmaschine, Verleimständer oder Kantenpresse mit Heizschiene, Funierpresse.[2]

Spezialmaschinen ergänzen die Grundausstattung einer Tischlerei. Aufgrund ihrer besonderen konstruktiven Merkmale tragen sie erheblich zur Rationalisierung der Fertigung bei. Für besondere Einsatzzwecke gibt es mehrstufige Maschinen, mit denen in einem Durchlauf mehrere Arbeitsgänge durchgeführt werden können (z.B. CNC). Dadurch wird eine wesentliche Verkürzung der Fertigungszeiten erreicht.

Stellt die Tischlerei Kunststofffenster her, sind die gebräuchlichen Maschinen: Zuschnittsägen für Kunststoff, Metall und Glasleisten sowie Klinkschnittsäge, Bohr- und Fräsgeräte für Wasserschlitze, Schraubgeräte für Metallprofilverschraubung, Stumpfschweißmaschine, Ecken-Putzautomat und Schweißraupenfräse erforderlich.[3]

Massivholzbearbeitung

„Zur Massivholzbearbeitung gehören im Schreinerhandwerk viele typische Standardmaschinen. Zuschnitt, Besäumen, Abrichten und Hobeln sind in jedem Betrieb erforderlich. All diese Maschinen stellen zumeist eine erhebliche Lärmbelastung im Betrieb dar.

Das Ablängen erfolgt in der Regel mit Pendelkreissägen oder Auslegersägemaschinen. Zum Besäumen und auf Breite schneiden, wird die Formatkreissäge eingesetzt.

Die Abrichte stellt die Basis für die weitere Bearbeitung dar. Sie gibt dem Werkstück eine plane Fläche und hobelt einen rechten Winkel an. Darauf aufbauend kann dann mit der Dickenhobelmaschine die Dicke ausgehobelt werden.

In Kombination von Dickenhobelmaschine und Abrichte kommt der Vierseiter zum Einsatz. Spezialisierte Massivholzbetriebe wie Treppen- oder Fensterbauer setzen den Vierseiter zumeist als Profilautomat ein, um neben dem rechteckigen Querschnitt auch gleich ein Profil anzufräsen.

Gerade im Fensterbau gibt es für diesen Bereich spezialisierte Maschinen. Die damit verbundenen Investitionskosten haben dazu geführt, dass sich dort viele Betriebe fertigungstechnisch spezialisiert haben und andere Betriebe mit Fenstern und Haustüren beliefern. Auch im Leistenbereich gibt es eine enorme Vielfalt, die man von dafür spezialisierten Betrieben beziehen kann.“[4]

Bei der Massivholzbearbeitung sieht der typische Fertigungsablauf wie folgt aus:

Holzlagerung ► Trockenkammer ► Ablängen ► Besäumen, Auftrennen ► Abrichten ► Hobeln ► Eckverbindungen herstellen ► Längsbearbeitung (Fälzen, Nuten, Profilieren) ► Rahmen verleimen ► Schleifen (Flächen, Kanten, Profile, Fälze) ►Beschläge einlassen (Fräsen und Bohren) ► Imprägnieren, Grundanstrich ► Beschlagmontage ► Zusammenbau, Anschlagen ► Schlussanstrich ► Verglasen (z.B. Fenster) ► Auslieferung, Einbau.[5]


Abbildung Bandsäge
Copyright: Berufsgenossenschaft Holz und Metall


Bandsäge
Copyright: Berufsgenossenschaft Holz und Metall



Abbildung Formatkreissäge
Copyright: Berufsgenossenschaft Holz und Metall


Foto Formatkreissäge
Copyright: Berufsgenossenschaft Holz und Metall



Dickenhobelmaschine
Copyright: Berufsgenossenschaft Holz und Metall


Foto Dickenhobelmaschine
Copyright: Berufsgenossenschaft Holz und Metall



Abbildung Tischfräse
Copyright: Berufsgenossenschaft Holz und Metall


Foto Tischfräse
Copyright: Berufsgenossenschaft Holz und Metall



Langloch-/Dübelbohrmaschine
Copyright: Otto Martin Maschinenbau GmbH & Co. KG, Ottobeuren


Foto Breitbandschleifmaschine
Copyright: KÜNDIG GmbH, Gotha


Plattenbearbeitung

„Der moderne Innenausbau ist ohne die Verarbeitung von Holzwerkstoffen kaum denkbar. Zwar haben sich im handwerklichen Bereich einige Betriebe auf die ausschließliche Verarbeitung von Massivholz spezialisiert. Im privaten Innenausbau ist dies allerdings nur im sehr gehobenen Niveau möglich. Im gewerblichen Bereich scheitert dies häufig an den funktionellen Anforderungen an die jeweiligen Einrichtungen.

Plattenwerkstoffe werden in großen Formaten von den ortsansässigen Händlern geliefert - eine direkte Anlieferung vom Plattenhersteller ist im Handwerk nicht üblich. Im einfachsten Fall werden die Platten dann mit einer Handkreissäge aufgeteilt. In der Regel kommen dafür aber vertikale Plattenaufteilsägen zum Einsatz. In größeren Betrieben hat sich die horizontale Variante etabliert.

Das eigentliche Formatieren erfolgt im Regelfall auf der Formatkreissäge. Sie ist sicherlich die wichtigste Maschine im Schreinerbetrieb und weist die höchsten Laufzeiten auf. Sie kommt für die Plattenbearbeitung ebenso zum Einsatz wie für das Besäumen und Ablängen von Massivholzteilen.

Vor der weiteren Bohr- und Fräsbearbeitung werden zugeschnittenen Platten mit Kanten belegt. Kantenanleimmaschinen gehören heute zur Standardausrüstung für im Innenausbau tätige Schreinerbetriebe.

Aufgrund des hohen Wettbewerbsdrucks haben sich auch hier viele Betriebe spezialisiert. Die Investitionen in programmgesteuerte Maschinen sind erheblich und lohnen sich nur bei guter Auslastung. Einzelne Plattenlieferanten bieten heute auch den Zuschnitt mit Kanten- und Fräsbearbeitung an. Insofern ist der Trend unverkennbar, Standardausführungen von spezialisierten Herstellern zuzukaufen und sich auf die individuelle Ausgestaltung zu konzentrieren.“[6]


Vertikale Plattenkreissäge
Copyright: Michael Weinig AG, Tauberbischofsheim


Kantenanleimmaschine
Copyright: Michael Weinig AG, Tauberbischofsheim


Bei der Plattenverarbeitung sieht der typische Fertigungsablauf wie folgt aus:

Plattenlager, Furnierlager ► Grobzuschnitt ► Furniere zusammensetzen ► Flächenbeschichtung (Furniere, Schichtstoffplatten, Folien) ► Formatschnitt ► Kantenbeschichtung ► Bohren (Dübellöcher, Beschläge) ► Fräsen (Nuten, Fälze, Profile) ► Schleifen ►Oberflächenbehandlung ► Zusammenbau ► Auslieferung, Montage.[7]


CNC-Bearbeitungszentrum
Copyright: HWK Koblenz

 

 

Für die Massivholz- und Plattenverarbeitung kommen weitere Spezialmaschinen zu den Standardmaschinen hinzu. Die CNC - Technik (Computerized Numerical Control, ein elektronisches Verfahren zur Steuerung und Regelung von Werkzeugmaschinen) ermöglicht eine rationelle, zeitgemäße Fertigung, ein breites Bearbeitungsspektrum, eine Qualitätsverbesserung und weniger Nacharbeiten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Farbspritzstand
Copyright: HWK Koblenz

Oberflächenbehandlung

Bei fast allen Tischlereien ist eine Oberflächenbehandlung erforderlich. Zur Beschichtung der Holzflächen verwendet der Tischler Beizen, Nitrolacke, PUR-Lacke, Acrylatlacke, Öle und Wachse. Formaldehydhaltige Stoffe werden in Holzlacken nicht mehr verwendet. Da bei diesen Arbeiten eine erhöhte Brandgefahr besteht und Staubablagerungen auf frisch beschichteten Werkstücken vermieden werden müssen, muss die Oberflächenbehandlung unbedingt in einem geeigneten Raum, der von den übrigen Arbeitsräumen abgetrennt ist, durchgeführt werden. In der Regel ist in der Tischlerei für die Lackierarbeiten ein Bereich in der Werkstatt räumlich abgetrennt. Für das Aufbringen des Beschichtungsmittels werden vorwiegend Spritzwände, -stände oder -kabinen als Lackiereinrichtung verwendet.

Während des Spritzvorgangs wird über eine Zu-/Abluftanlage die Luft abgesaugt und nach außen geleitet. Das Abscheiden und Filtern der abgesaugten Lackpartikel erfolgt durch Trockenabscheidung in Filtermatten. Bei ungünstigen baulichen Randbedingungen kann der Einbau eines Aktivkohlefilters erforderlich werden. Für die Trocknung verbleiben die Werkstücke im Lackierbereich. Größere Tischlereien haben einen separaten Lackier- und Trockenraum.

Bei der baulichen Ausführung und der Einrichtung des Lackierbereichs sind besonders die brand- und sicherheitstechnischen Anforderungen zu berücksichtigen (siehe BGI 740).

[1] = ProWood Stiftung: 2. ProWood – Studie “Untersuchung zur Situation und zukünftigen Entwicklung im Tischlerhandwerk“ (2010), unter URL http://www.tischlerei24.com/tischlerhandwerk-entwicklung-der-branche-2010304
[2] = König, K.-D. / Ribbrock, D./Wild, H.: Planung und Einrichtung von Tischler- und Schreinerei-betrieben, Institut für Technik der Betriebsführung, 1999
[3] = Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft: Betrieblicher Umweltschutz in Baden-Württemberg (Stand 2013), unter: URL http://www.umweltschutz-bw.de (2015-05).
[4] = Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft: Betrieblicher Umweltschutz in Baden-Württemberg (Stand 2013), unter: URL http://www.umweltschutz-bw.de (2015-05).
[5] = König, K.-D. / Ribbrock, D./Wild, H.: Planung und Einrichtung von Tischler- und Schreinerei-betrieben, Institut für Technik der Betriebsführung, 1999
[6] = Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft: Betrieblicher Umweltschutz in Baden-Württemberg (Stand 2013), unter: URL http://www.umweltschutz-bw.de (2015-05).
[7] = König, K.-D. / Ribbrock, D./Wild, H.: Planung und Einrichtung von Tischler- und Schreinerei-betrieben, Institut für Technik der Betriebsführung, 1999


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